Zeitschrift, Mittelalter 2021/2

Iris Hutter: Schloss Altenklingen – ein Werkstattbericht aus der Burgen und Schlossforschung

Harald Derschka: Die Abtei Reichenau und der Thurgau

Martin Peter Schindler: Der schildförmige Anhänger von Degersheim SG, Bubental

 

Schloss Altenklingen – ein Werkstattbericht aus der Burgen- und Schlossforschung

Das Schloss Altenklingen bei Märstetten im Thurgau wird von der Autorin im Rahmen eines Dissertationsprojektes an der Universität Zürich erstmals bauarchäologisch untersucht werden. Die drei untersuchten Anlagen – die Ruine Altenburg, die Burg Klingen und das Schloss Altenklingen – sind gänzlich verschieden, auch in Bezug auf die Möglichkeit ihrer Untersuchung. Die Ruine Altenburg wurde 2014/15 letztmals archäologisch untersucht und kann im Rahmen der Dissertation ausgewertet werden. Die Burg Klingen, wohl eine hochmittelalterliche Ersatzanlage für die Ruine, wurde rund 600 Meter entfernt der Altenburg errichtet. Von der Burg Klingen gibt es bis heute kein Zeugnis. Das Schloss Altenklingen hingegen besteht noch. Es befindet sich in Privatbesitz und wurde bisher nicht genauer untersucht. Im Rahmen der Dissertation wird es möglich sein, das Schloss erstmals systematisch zu dokumentieren.

 

Die Abtei Reichenau und der Thurgau

Für 2024 plant das Land Baden-Württemberg eine Landesausstellung anlässlich des 1300. Gründungsjubiläums der Abtei Reichenau. Reichenau ist Teil des UNESCO-Welterbes, dank einer karolingerzeitlichen Grosskirche, einem einzigartigen ottonischen Wandbilderzyklus und einer Reihe von Handschriften, die zu den Spitzenleistungen der mittelalterlichen Buchkunst zählen.

Dabei darf man nicht vergessen, dass Reichenau für die Nordostschweiz, zumal für den Thurgau, denselben Stellenwert besitzt wie für Südwestdeutschland: Das Thurgauer Unterseeufer mit Teilen des Seerückens und einige Gebieten um Frauenfeld gehörten zur Reichenauer Niedergerichtsherrschaft. Weit über den Thurgau hinaus finden sich Reichenauer Lehen, meist landwirtschaftliche Nutzflächen, daneben aber auch Burgen mit Herrschaftsrechten. Reichenau war also in der Ostschweiz durchaus ein Machtfaktor.

 

Der schildförmige Anhänger von Degersheim SG, Bubental

Der Einzelfund stammt von Bubental (Degersheim SG). Das Stück aus Buntmetall ist stark beschädigt und korrodiert. Es besitzt die Form eines mandelförmigen Schildes, ist auf der Schauseite vergoldet und zeigt fragmentarische Ornamente. Die internationale Recherche ergibt eine Liste von nur 11 vergleichbaren Anhängern. Die Form geht auf reale Reiterschilde zurück. Ihre Datierung reicht vom späteren 12. bis ins fortgeschrittene 13. Jh. Der Typ wurde durch Anhänger in Form von Dreieckschilden abgelöst, welche im 13. und 14. Jh. häufig waren.

Das nur fragmentarisch erhaltene Wappen des Bubentaler Stücks wird als dreilätzige Fahne bzw. als Gonfanon interpretiert. Das führt direkt zum Adelsgeschlecht der Grafen von Tübingen, von Montfort und von Werdenberg.

Der Nachweis des Wappens der «Grafen von der Fahne» weckt Assoziationen zur Geschichte der Abtei St. Gallen und des Toggenburgs. Ein Zusammenhang zwischen dem Verlust des Stücks und den historisch überlieferten Ereignissen ist möglich, aber nicht beweisbar.

Vom St. Galler Kantonsgebiet sind noch drei weitere mittelalterliche Pferdegeschirranhänger bekannt: Ein durchbrochener runder Anhänger von der Procha Burg (Wartau SG), und zwei Anhänger in Form eines Dreiecksschilds von der Alttoggenburg (Kirchberg SG) und der Neutoggenburg (Oberhelfenschwil SG).

 

Zeitschrift, Mittelalter 2021/1

Jakob Obrecht: Schänis SG, Burgruine Niederwindegg – Bericht über die bauarchäologische Untersuchung und die Konservierung der Ruine 2020

Jonathan Frey: Das Klischee stimmt! Zehn Thesen zu Waffen aus Burgen

 

Schänis SG, Burgruine Niederwindegg 

Im Auftrag der Ortsgemeinde Schänis als Eigentümerin wurden die noch maximal 12 m hoch erhaltenen Mauern des nordwestlichen Gebäudekomplexes der Burgruine Niederwindegg im Sommerhalbjahr 2020 bauarchäologisch dokumentiert und bautech­nisch konserviert. Die Untersuchungen an den drei erhaltenen, U-förmig angelegten Mauern der stark beschädigten und in der unteren Hälfte beinahe vollständig ihrer Mauermäntel beraubten Ruine, lieferten überraschende Resultate. Urkundlich erwähnt wird die Burg erstmals um 1230. Die zwei in Resten erhaltenen Eck­verbände aus bossierten Tuffsteinquadern weisen auf eine Bauzeit der Anlage um die Mitte des 13. Jh. hin. Laut schriftlichen Quellen soll die Burg in der Mitte des 15. Jh. eingestürzt sein. Anschliessend wurde sie, wie am heutigen Mauerbestand deutlich abzulesen ist, bis in das 19. Jh. als Steinbruch genutzt.

Die längste Mauer des U-förmigen Grundrisses besitzt fünf Öffnungen: drei im Erdgeschoss, zwei im Obergeschoss. Darin waren nicht Fenster, sondern Schiessscharten eingebaut. Die Anordnung der fünf Schiessöffnungen, aus denen der Graben und der Gegenhang unter Beschuss genommen werden konnten, ist für eine Burganlage des 13. Jh. aussergewöhnlich.

 

Das Klischee stimmt! – Zehn Thesen zu Waffen aus Burgen

Die materielle Sachkultur in den Burgen und Schlössern der Schweiz wurde seit längerer Zeit nicht mehr in vergleichender Weise behandelt. Um den Rahmen nicht zu sprengen, beschränkt sich der vorliegende Beitrag auf das Thema Waffen. Anstelle einer umfassenden Auseinandersetzung mit allen Waffenfunden auf Schweizer Burgen werden ausgewählte Beobachtungen herausgegriffen und mit anderen archäologischen Fundkontexten vor allem in Städten verglichen. Aus diesen stichwortartigen Beobachtungen entspringen die zehn Thesen.

 

Zeitschrift, Mittelalter 2020/4

Miriam Bertschi: Brodlaubegass 15, Stein am Rhein

Lukas Högl, Joe Rohrer: Neue und alte Beobachtungen am Turm der Burg Alt-Süns GR

 

Brodlaubegass 15, Stein am Rhein

Die Liegenschaft Brodlaubegass 15 in Stein am Rhein präsentiert sich heute als unscheinbarer, zweigeschossiger Bau mit hohem Dach. Bei der Sanierung von 2018 bis 2020 konnte das Gebäude untersucht und eine Baugeschichte mit sieben Hauptphasen erarbeitet werden.

 

Neue und alte Beobachtungen am Turm der Burg Alt-Süns GR

Die Beobachtungen an der Mauerkrone der Ruine Alt-Sünd wurden ausschliesslich anhand von Fotos, die von einer Drohne erstellt wurden, gemacht. Neben der direkten Bewertung dieser Fotos wurden daraus auch virtuelle 3D Modelle von der obersten Mauerpartie und ein Übersichtsbild errechnet. Mit der Technik Structure from Motion werden von einer Software übereinstimmende Punkte auf einer Fotoserie gesucht und daraus zuerst die Kamerapositionen und in einigen Verarbeitungsschritten ein farbiges 3D Modell des Objektes generiert. Davon lassen sich wiederum verzerrungsfreie Ansichten herstellen. Spannender ist aber das virtuelle Modell selber, da dort die räumlichen Zusammenhänge erhalten bleiben. Richtig skaliert und ausgerichtet, kann es nun auf verschiedene Arten analysiert werden. Streiflicht kann helfen ungewöhnliche Erhebungen oder Löcher im Mauerwerk zu finden. Die Projektion von Farbverläufen auf die Oberflächen dient dem selben Zweck. Hypothetische Ergänzungen lassen sich direkt auf das Modell konstruieren und im Zusammenhang diskutieren.

Dieses Vorgehen erlaubte es ohne grossen Aufwand, die sonst unzugänglichen Stellen, welche durch den Zerfall am stärksten bedroht sind, in Augenschein zu nehmen. Da es sich um ein Verfahren handelt, welches auf Fototechnik beruht, kommt man bei den überwachsenen Bereichen aber schnell an Grenzen. Auch ist es wichtig, dass für die Aufnahmen gute Lichtbedingungen herrschen. Von der Qualität und Menge der Vorlagenbilder, hängt schlussendlich die Qualität des Modells ab.

Band 1974/1

Werner Meyer: Die Burgruine Alt-Wartburg im Kanton Aargau. Bericht über die Forschungen 1966/67

 

1966/67 wurde die Ruine von Alt-Wartburg über Olten vom Schutt befreit und archäologisch untersucht. Für die Forschung interessant ist der terminus ante quem der Zerstörung, die chronikalisch mehrfach für das Jahr 1415 erwähnt wird. Funde und Befunde zeigen einen Siedlungsbeginn im 11. Jh. an, die erhaltenen Mauern stammen aus dem 12. Jh., dem in der 2. Hälfte des 13. Jh. ein Ausbau folgte; weitere bauliche Veränderungen fanden im 14. Jh. statt, bis 1415 die Burg im Rahmen der Eroberungen des Aargaus durch die Berner erobert, geplündert und durch Brand zerstört wurde.

Das Fundspektrum zeigt nicht den gesamten Bereich des Hausrates einer mittelalterlichen Burg, da bei der Plünderung 1415 vieles verschwand, was sich leicht wegtragen liess. Um so eindrücklicher war die Fundserie der Ofenkacheln, die sich von unglasierten Becherkacheln über Napfkacheln bis zu den Medaillonkacheln mit Zubehör wie Gesims- und Kranzkacheln erstreckt. Aber auch hier zeigte sich das Wüten der Eroberer: praktisch kein Medaillon ist vollständig erhalten, die meisten sind zerschlagen worden. Der ausführlichen Darstellung des archäologischen Befundes schliesst sich ein Kapitel zur Besitz- und Herrschaftsgeschichte an.

 

 

Band 2020/48

Gabi Meier Mohamed: Burgruine Hünenberg im Kanton Zug. Archäologie, Geschichte und vom „Geräusch rollender Steine“

Inhalt:

I.        Einleitung und methodische Ansätze
II.      Topografie und Geologie
III.    Vorgeschichte
IV.     Zu den Herren von Hünenberg
V.       Rezeptions-, Forschungs- und Restaurierungsgeschichte
VI.     Geoarchäologische Untersuchungen
VII.    Bauetappenabfolge und Rekonstruktionsversuche
VIII.  Untersuchungen im Umgelände der Burg
IX.     Burg Hünenberg als Baustelle
X.       Die Funde
XI.     Untersuchungen an Tier- und Pflanzenresten

Band 2018/46

Simon Hardmeier: Altreu im Mittelalter. Eine Stadtwüstung im Kanton Solothurn

 

Die Publikation berichtet über alle bisherigen archäologischen Untersuchungen in Altreu und vermittelt einen Einblick vom Leben in einer ländlichen Kleinstadt des 13. und 14. Jahrhunderts.

Mit der Stadtbefestigung, der Stadtburg und den zur Gasse hin orientierten Wohnbauten verfügte Altreu über alle Elemente einer mittelalterlichen Stadt. Nach einer Brandkatastrophe in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde das Städtchen aufgegeben und geriet in Vergessenheit.

 

 

Band 2017/45

Armand Baeriswyl, Peter Niederhäuser (Hrsg.): Zeugen vergangener Macht und Herrschaft. Schweizer Burgen und Schlösser vom Mittelalter bis Heute

 

Die Spiezer Tagung ’16 gibt Einblick in den aktuellen Stand der Burgenforschung. Sie beleuchtet Burgen in verschiedenen geographischen Regionen der Schweiz und dem benachbarten Ausland. Dabei werden sozial-, macht- und kulturgeschichtliche Aspekte beleuchtet. Die Beiträge thematisieren den frühen Burgenbau in der Schweiz,  widmen sie sich den Burgen aus der ehemaligen Diözese Genf und stellen 25 wichtige Burgen der Schweiz vor.

 

Band 2016/43

Fabian Küng, Jakob Obrecht, Waltraud Hörsch: Die Burg Kastelen bei Alberswil

 

Die archäologischen Spuren auf dem Burghügel von Kastelen reichen weit in die Prähistorie zurück: Bereits in der Bronzezeit vor 3000 Jahren bestand auf dem Kastelenhügel eine dörfliche Siedlung. Im Hochmittelalter wurde der markante Hügel zum Standort einer hölzernen Burganlage.

An ihrer Stelle  liessen die Grafen von Kyburg zwischen 1249 und 1253 eine ausgedehnte Burg errichten, von welcher heute noch die Ruine des Wohnturms sowie der Sodbrunnen erhalten sind. Der beeindruckende Wohnturm ist ein beredter Zeuge der hochstehenden mittelalterlichen Bautechnik. Zusammen mit den archäologischen Funden lässt die Ruine einen unmittelbaren Einblick in die Wohnkultur und das Leben auf einer mittelalterlichen Adelsburg zu.

Die historischen Schriftquellen zur Burg Kastelen erzählen von der geschichtlichen Entwicklung der gesamten Region: Sie zeigen nicht nur den gesellschaftlichen Wandel in der herrschenden Oberschicht während des Mittelalters und der Neuzeit, sondern werfen auch ein Schlaglicht auf die sozialen Verhältnisse beispielsweise zur Zeit des Bauernkriegs von 1653.

Weitere Kapitel sind den bautechnischen und denkmalpflegerischen Aspekten einer Burgenrestaurierung gewidmet. Abgerundet wird die Publikation durch eine Untersuchung zu den Sagenerzählungen rund um die Ruine Kastelen.

 

Band 2015/42

Brigitte Andres: Alpine Wüstungen im Berner Oberland. Ein archäologischer Blick auf die historische Alpwirtschaft in der Region Oberhasli

 

Auf den Alpweiden der Region Oberhasli im östlichen Berner Oberland wird seit Jahrhunderten Vieh gesömmert und Käse hergestellt. Nicht mehr benötigte und dem Zerfall überlassene Infrastrukturbauten sind im Gelände oft noch an den Trockenmauerresten dieser Wüstungen erkennbar.

Rund 400 neue Befunde, die bei grossräumigen Prospektionen in der Region Oberhasli dokumentiert wurden, zeugen von der Vielfalt alpwirtschaftlicher Bauformen. Im Kontext der regionalen Alpwirtschaftsgeschichte werden sie in der vorliegenden Publikation diskutiert und eingeordnet.

Anhand von archäologischen, historischen und ethnografischen Quellen wird zudem der Frage nach der Sichtbarkeit von Überresten typisch alpwirtschaftlicher Aktivitäten wie Milchverarbeitung, Weidewirtschaft und Wildheugewinnung im archäologischen Befund nachgegangen.

Ein umfangreicher Katalog bietet mit Bild und Text die Möglichkeit zum formalen Vergleich von alpinen Wüstungen über das Berner Oberland hinaus.

Band 2013/41

Ulrike Schröer: Die Thuner Hochtrottoirs im städtebaulichen Kontext. Eine Studie zur Entstehungsgeschichte im Vergleich mit Bern, Burgdorf und Erlach

 

Die Obere Hauptgasse in Thun erhält ihren spezifischen Charakter durch ein ungewöhnliches Strassenprofil. Beidseitig hervorspringende untere Geschosse, Hochtrottoirs, Lauben oder Terrassen genannt, bilden eine zweigeschossige Ladenzeile. Planung, Bautypologie oder Zufall, die Ursachen dieses ungewöhnlichen Strassenprofils im anonymen Städtebau sind trotz der originären und pittoresken Situation bisher nicht untersucht worden. Städtebauliches Kuriosum oder Typus, dahinter steht die Frage, ob die zwei Erschliessungsebenen Elemente frühester Zeit, die Folge einer späteren Entwicklung oder gar Produkte einer Planung sind.

Die Entstehungsgeschichte der Hochtrottoirs in Thun lässt sich aufgrund unvollständiger Baubefunde und lückenhafter Quellenlage bisher nicht zweifelsfrei nachvollziehen. Die Untersuchung der Thuner Verhältnisse lässt zwar eine Steigungskorrektur der Gasse vermuten, bietet aber noch zu wenig gesicherte Belege für diese These. Selbst der Zeitraum für die Entstehung des Hochtrottoirs ist nur relativ vage mit dem 16./17. Jh. zu bestimmen. Sicher ist, dass komplexe Ursachen und Entscheidungen zum heutigen homogenen Erscheinungsbild führten.

Die Thuner Erkenntnisse bedürfen der Überprüfung an anderen Befunden. In der Umgebung von Thun gibt es eine Reihe von Städten mit Hochlauben und Hochtrottoirs. Wo liegen nun die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zu Thun? Erlach, Burgdorf und Bern und werden anhand der in der Thuner Untersuchung entwickelten Untersuchungskriterien, Topografie, Verkehr, Stadtentwicklung, Baubefunde, baurechtliche Situation und Nutzungsgeschichte vorgestellt.

Der Vergleich soll dazu dienen, die entscheidenden Faktoren für die Entstehung der Hochlauben/Hochtrottoirs eingrenzen und benennen zu können und den Entstehungszeitraum dieses Phänomens präziser abzustecken zu können.