Zeitschrift, Mittelalter 2020/4

Miriam Bertschi: Brodlaubegass 15, Stein am Rhein

Lukas Högl, Joe Rohrer: Neue und alte Beobachtungen am Turm der Burg Alt-Süns GR

 

Brodlaubegass 15, Stein am Rhein

Die Liegenschaft Brodlaubegass 15 in Stein am Rhein präsentiert sich heute als unscheinbarer, zweigeschossiger Bau mit hohem Dach. Bei der Sanierung von 2018 bis 2020 konnte das Gebäude untersucht und eine Baugeschichte mit sieben Hauptphasen erarbeitet werden.

 

Neue und alte Beobachtungen am Turm der Burg Alt-Süns GR

Die Beobachtungen an der Mauerkrone der Ruine Alt-Sünd wurden ausschliesslich anhand von Fotos, die von einer Drohne erstellt wurden, gemacht. Neben der direkten Bewertung dieser Fotos wurden daraus auch virtuelle 3D Modelle von der obersten Mauerpartie und ein Übersichtsbild errechnet. Mit der Technik Structure from Motion werden von einer Software übereinstimmende Punkte auf einer Fotoserie gesucht und daraus zuerst die Kamerapositionen und in einigen Verarbeitungsschritten ein farbiges 3D Modell des Objektes generiert. Davon lassen sich wiederum verzerrungsfreie Ansichten herstellen. Spannender ist aber das virtuelle Modell selber, da dort die räumlichen Zusammenhänge erhalten bleiben. Richtig skaliert und ausgerichtet, kann es nun auf verschiedene Arten analysiert werden. Streiflicht kann helfen ungewöhnliche Erhebungen oder Löcher im Mauerwerk zu finden. Die Projektion von Farbverläufen auf die Oberflächen dient dem selben Zweck. Hypothetische Ergänzungen lassen sich direkt auf das Modell konstruieren und im Zusammenhang diskutieren.

Dieses Vorgehen erlaubte es ohne grossen Aufwand, die sonst unzugänglichen Stellen, welche durch den Zerfall am stärksten bedroht sind, in Augenschein zu nehmen. Da es sich um ein Verfahren handelt, welches auf Fototechnik beruht, kommt man bei den überwachsenen Bereichen aber schnell an Grenzen. Auch ist es wichtig, dass für die Aufnahmen gute Lichtbedingungen herrschen. Von der Qualität und Menge der Vorlagenbilder, hängt schlussendlich die Qualität des Modells ab.

Band 1974/1

Werner Meyer: Die Burgruine Alt-Wartburg im Kanton Aargau. Bericht über die Forschungen 1966/67

 

1966/67 wurde die Ruine von Alt-Wartburg über Olten vom Schutt befreit und archäologisch untersucht. Für die Forschung interessant ist der terminus ante quem der Zerstörung, die chronikalisch mehrfach für das Jahr 1415 erwähnt wird. Funde und Befunde zeigen einen Siedlungsbeginn im 11. Jh. an, die erhaltenen Mauern stammen aus dem 12. Jh., dem in der 2. Hälfte des 13. Jh. ein Ausbau folgte; weitere bauliche Veränderungen fanden im 14. Jh. statt, bis 1415 die Burg im Rahmen der Eroberungen des Aargaus durch die Berner erobert, geplündert und durch Brand zerstört wurde.

Das Fundspektrum zeigt nicht den gesamten Bereich des Hausrates einer mittelalterlichen Burg, da bei der Plünderung 1415 vieles verschwand, was sich leicht wegtragen liess. Um so eindrücklicher war die Fundserie der Ofenkacheln, die sich von unglasierten Becherkacheln über Napfkacheln bis zu den Medaillonkacheln mit Zubehör wie Gesims- und Kranzkacheln erstreckt. Aber auch hier zeigte sich das Wüten der Eroberer: praktisch kein Medaillon ist vollständig erhalten, die meisten sind zerschlagen worden. Der ausführlichen Darstellung des archäologischen Befundes schliesst sich ein Kapitel zur Besitz- und Herrschaftsgeschichte an.

 

 

Band 2020/48

Gabi Meier Mohamed: Burgruine Hünenberg im Kanton Zug. Archäologie, Geschichte und vom „Geräusch rollender Steine“

Inhalt:

I.        Einleitung und methodische Ansätze
II.      Topografie und Geologie
III.    Vorgeschichte
IV.     Zu den Herren von Hünenberg
V.       Rezeptions-, Forschungs- und Restaurierungsgeschichte
VI.     Geoarchäologische Untersuchungen
VII.    Bauetappenabfolge und Rekonstruktionsversuche
VIII.  Untersuchungen im Umgelände der Burg
IX.     Burg Hünenberg als Baustelle
X.       Die Funde
XI.     Untersuchungen an Tier- und Pflanzenresten

Band 2018/46

Simon Hardmeier: Altreu im Mittelalter. Eine Stadtwüstung im Kanton Solothurn

 

Die Publikation berichtet über alle bisherigen archäologischen Untersuchungen in Altreu und vermittelt einen Einblick vom Leben in einer ländlichen Kleinstadt des 13. und 14. Jahrhunderts.

Mit der Stadtbefestigung, der Stadtburg und den zur Gasse hin orientierten Wohnbauten verfügte Altreu über alle Elemente einer mittelalterlichen Stadt. Nach einer Brandkatastrophe in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde das Städtchen aufgegeben und geriet in Vergessenheit.

 

 

Band 2017/45

Armand Baeriswyl, Peter Niederhäuser (Hrsg.): Zeugen vergangener Macht und Herrschaft. Schweizer Burgen und Schlösser vom Mittelalter bis Heute

 

Die Spiezer Tagung ’16 gibt Einblick in den aktuellen Stand der Burgenforschung. Sie beleuchtet Burgen in verschiedenen geographischen Regionen der Schweiz und dem benachbarten Ausland. Dabei werden sozial-, macht- und kulturgeschichtliche Aspekte beleuchtet. Die Beiträge thematisieren den frühen Burgenbau in der Schweiz,  widmen sie sich den Burgen aus der ehemaligen Diözese Genf und stellen 25 wichtige Burgen der Schweiz vor.

 

Band 2016/43

Fabian Küng, Jakob Obrecht, Waltraud Hörsch: Die Burg Kastelen bei Alberswil

 

Die archäologischen Spuren auf dem Burghügel von Kastelen reichen weit in die Prähistorie zurück: Bereits in der Bronzezeit vor 3000 Jahren bestand auf dem Kastelenhügel eine dörfliche Siedlung. Im Hochmittelalter wurde der markante Hügel zum Standort einer hölzernen Burganlage.

An ihrer Stelle  liessen die Grafen von Kyburg zwischen 1249 und 1253 eine ausgedehnte Burg errichten, von welcher heute noch die Ruine des Wohnturms sowie der Sodbrunnen erhalten sind. Der beeindruckende Wohnturm ist ein beredter Zeuge der hochstehenden mittelalterlichen Bautechnik. Zusammen mit den archäologischen Funden lässt die Ruine einen unmittelbaren Einblick in die Wohnkultur und das Leben auf einer mittelalterlichen Adelsburg zu.

Die historischen Schriftquellen zur Burg Kastelen erzählen von der geschichtlichen Entwicklung der gesamten Region: Sie zeigen nicht nur den gesellschaftlichen Wandel in der herrschenden Oberschicht während des Mittelalters und der Neuzeit, sondern werfen auch ein Schlaglicht auf die sozialen Verhältnisse beispielsweise zur Zeit des Bauernkriegs von 1653.

Weitere Kapitel sind den bautechnischen und denkmalpflegerischen Aspekten einer Burgenrestaurierung gewidmet. Abgerundet wird die Publikation durch eine Untersuchung zu den Sagenerzählungen rund um die Ruine Kastelen.

 

Band 2015/42

Brigitte Andres: Alpine Wüstungen im Berner Oberland. Ein archäologischer Blick auf die historische Alpwirtschaft in der Region Oberhasli

 

Auf den Alpweiden der Region Oberhasli im östlichen Berner Oberland wird seit Jahrhunderten Vieh gesömmert und Käse hergestellt. Nicht mehr benötigte und dem Zerfall überlassene Infrastrukturbauten sind im Gelände oft noch an den Trockenmauerresten dieser Wüstungen erkennbar.

Rund 400 neue Befunde, die bei grossräumigen Prospektionen in der Region Oberhasli dokumentiert wurden, zeugen von der Vielfalt alpwirtschaftlicher Bauformen. Im Kontext der regionalen Alpwirtschaftsgeschichte werden sie in der vorliegenden Publikation diskutiert und eingeordnet.

Anhand von archäologischen, historischen und ethnografischen Quellen wird zudem der Frage nach der Sichtbarkeit von Überresten typisch alpwirtschaftlicher Aktivitäten wie Milchverarbeitung, Weidewirtschaft und Wildheugewinnung im archäologischen Befund nachgegangen.

Ein umfangreicher Katalog bietet mit Bild und Text die Möglichkeit zum formalen Vergleich von alpinen Wüstungen über das Berner Oberland hinaus.

Band 2013/41

Ulrike Schröer: Die Thuner Hochtrottoirs im städtebaulichen Kontext. Eine Studie zur Entstehungsgeschichte im Vergleich mit Bern, Burgdorf und Erlach

 

Die Obere Hauptgasse in Thun erhält ihren spezifischen Charakter durch ein ungewöhnliches Strassenprofil. Beidseitig hervorspringende untere Geschosse, Hochtrottoirs, Lauben oder Terrassen genannt, bilden eine zweigeschossige Ladenzeile. Planung, Bautypologie oder Zufall, die Ursachen dieses ungewöhnlichen Strassenprofils im anonymen Städtebau sind trotz der originären und pittoresken Situation bisher nicht untersucht worden. Städtebauliches Kuriosum oder Typus, dahinter steht die Frage, ob die zwei Erschliessungsebenen Elemente frühester Zeit, die Folge einer späteren Entwicklung oder gar Produkte einer Planung sind.

Die Entstehungsgeschichte der Hochtrottoirs in Thun lässt sich aufgrund unvollständiger Baubefunde und lückenhafter Quellenlage bisher nicht zweifelsfrei nachvollziehen. Die Untersuchung der Thuner Verhältnisse lässt zwar eine Steigungskorrektur der Gasse vermuten, bietet aber noch zu wenig gesicherte Belege für diese These. Selbst der Zeitraum für die Entstehung des Hochtrottoirs ist nur relativ vage mit dem 16./17. Jh. zu bestimmen. Sicher ist, dass komplexe Ursachen und Entscheidungen zum heutigen homogenen Erscheinungsbild führten.

Die Thuner Erkenntnisse bedürfen der Überprüfung an anderen Befunden. In der Umgebung von Thun gibt es eine Reihe von Städten mit Hochlauben und Hochtrottoirs. Wo liegen nun die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zu Thun? Erlach, Burgdorf und Bern und werden anhand der in der Thuner Untersuchung entwickelten Untersuchungskriterien, Topografie, Verkehr, Stadtentwicklung, Baubefunde, baurechtliche Situation und Nutzungsgeschichte vorgestellt.

Der Vergleich soll dazu dienen, die entscheidenden Faktoren für die Entstehung der Hochlauben/Hochtrottoirs eingrenzen und benennen zu können und den Entstehungszeitraum dieses Phänomens präziser abzustecken zu können.

Band 2012/40

Ursina Jecklin-Tischhauser, Lotti Frascoli, Manuel Janosa: Die Burg Marmels. Eine bündnerische Balmburg im Spiegel von Archäologie und Geschichte

 

Rund hundert Meter über dem Stausee Marmorera liegen unter einem gewaltigen Felsvorsprung die Ruinen der Burganlage Marmels (Gemeinde Marmorera im Tal Oberhalbstein/Sursés (GR). Die Burg war im hohen und späten Mittelalter in Besitz der Herren von Marmels, Ministerialen des Churer Bischofs. Zur Anlage in Schwindelerregender Höhe, gehörte einst eine Kapelle mit zwei angrenzenden Gebäuden, ein Tortrakt und ein repräsentativer, mindestens viergeschossiger Wohnturm.

Dank der Lage der Burg unter dem riesigen Felsvorsprung war ein Grossteil der Anlage stets vor der Witterung geschützt – ein Glücksfall für die Forschung, lagen so auch die Funde über all die Jahre mehrheitlich im Trockenen. Neben dem grossen Umfang des Fundmaterials mit über 6’000 Funden, ist dessen Bandbreite und Erhaltungszustand spektakulär. Insbesondere die in mittelalterlichen Ausgrabungen sonst marginal vorhandenen organischen Funde waren auf Marmels zahlreich: Hölzer, darunter Geräte, Möbelteile, Bauhölzer und Abfallhölzer, ferner Lederfragmente und Schuhe, Pergamentreste z.T. beschrieben, sowie grosse Mengen an Tierknochen und Pflanzenresten.

Zum organischen Material hinzu kommen Metallgegenstände, zahlreiche Schlacken, die von der Metallgewinnung und -verarbeitung zeugen, etwas Keramik und ein grosses Ensemble an Lavezgefässen. Holzobjekte konnten mit Hilfe der Dendrochronologie sicher datiert werden und es gelang, die Entstehung Mitte des 12. Jahrhunderts und das Auflassen der Anlage um 1400 aber auch Ereignisse während der Burgenzeit zeitlich zu bestimmen.

In Zusammenarbeit mit der Universität Zürich (Kunsthistorisches Institut, Lehrstuhl für Archäologie und mittelalterliche Kunstgeschichte, Prof. Georges Descoeudres) legt der Archäologische Dienst Graubünden nun eine umfassende Auswertung der (bau-)archäologisch untersuchten Burganlage Marmels vor – ein Standardwerk für die künftige Burgenforschung Graubündens.

Band 2012/39

Eva Roth Heege: Ofenkeramik und Kachelofen. Typologie, Terminologie und Rekonstruktion im deutschsprachigen Raum (CH, D, A, FL)

 

Der Kachelofen mit seinen attraktiv gestalteten Ofenkacheln ist für die Erforschung spätmittelalterlicher und neuzeitlicher Wohnkultur in Mitteleuropa von grosser Bedeutung. Die vorliegende Publikation behandelt sowohl den Kachelofen als «Heizung des Mittelalters» als auch seine Bestandteile, die Ofenkacheln. Basis bildet eine umfassende Systematisierung der Ofenkeramik im deutschsprachigen Raum, bei der die Vielfalt der existierenden Kacheltypen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Liechtenstein in Text und Bild sowie mit einem Glossar in 17 Sprachen behandelt werden. Das Buch präsentiert zudem den aktuellen Stand der Kachelofenforschung

in der Schweiz und den Nachbarländern, die Herstellungstechnik von Ofenkacheln und das kulturgeschichtlich wichtige Thema der «Rekonstruktion». Daneben wird der Wert von Bildquellen und von Ofenmodellen diskutiert und die grösste Sammlung von Ofenmodellen in der Schweiz vorgestellt. Die umfangreiche Bebilderung macht das Buch auch für archäologisch und kulturhistorisch interessierte Laien im In- und Ausland sehr attraktiv. Im Gegensatz zur Keramik fehlte für die Ofenkeramik bisher eine überregionale Bearbeitung, ein «Leitfaden». Die vorliegende Publikation schliesst diese Lücke für den deutschsprachigen Raum.