Zeitschrift, Mittelalter 2014/2

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Beschreibung

Peter Jezler: Die Schaffhauser Turniere der 1430er-Jahre im Vergleich zum kastilischen Passo Honroso von 1434

Kurt Bänteli: Das Kauf- und Rathaus in Schaffhausen von 1395 − ein multifunktionales Gebäude im Spätmittelalter

Daniel Grütter: Lebendige Traditionen um den Munot

Daniel Grütter: Burgruinen im Kanton Schaffhausen

 

e-periodica.ch/2014/2

 

Die Schaffhauser Turniere der 1430er-Jahre im Vergleich zum kastilischen Passo Honroso von 1434

Über kein spätmittelalterliches Turnier im deutschen Sprachraum wissen wir besser Bescheid als über die Turniere von Schaffhausen in den 1430er-Jahren. Über eines der Turniere berichtet Pero Tafur in seinem berühmten Reisetagebuch. Mit dem Passo Honroso des Suero de Quiñones von 1434 bietet sich uns fast gleichzeitig zu Schaffhausen ein ausgezeichnet dokumentierter kastilischer Turnierhof zur Gegenüberstellung an.

Der Schaffhauser Bericht von 1436 schildert den Ablauf. Am Samstag treffen die Herren in der Stadt ein und stellen ihre Helme samt Helmzierden aus, am Sonntag holen sie mit Musik den Zug der angereisten Damen ab. Am Montag wird der Turnierplatz besucht und ein Lanzenkampf mit etwa 15 Kämpfern veranstaltet. Das grosse Turnier findet am Dienstag statt, in dessen Verlauf als unehrenhaft angeklagte Ritter ihre Strafe erhalten: Sie werden verprügelt und verspottet. Nach dem Turnier findet ein zweites Lanzenstechen mit etwa dreissig Kämpfern statt. Ein letztes Fest mit Bankett, Tanz und Überreichung der Turnierpreise beschliesst das Turnier.

Der aus angesehener Familie stammende Don Suero de Quiñones erbat sich von König Juan II. Zu Ehren und aus Liebe zu seiner verehrten Dame Leonor de Tovar das Recht für ein Turnier, bei dem er die Regeln selbst festlegt. Ein Kampf umfasst beliebig viele Anritte, bis drei Lanzen gebrochen sind. Schreiber protokollieren den Kampfverlauf. Relativ oft verfehlten die Reiter ihr Ziel. Pedro de Nave und Francisco de Faces trafen am 15. Juli so selten, dass sie 27 Anritte <Angriffe> benötigten, bis endlich Francisco mit 2:1 Lanzenbruch gewann.

Während die Schaffhauser Turnierhöfe genossenschaftlich organisiert sind handelt es sich beim Passo Honroso um eine Veranstaltung eines einzelnen Adligen mit Wohlwollen des Königs. Beweis der Tapferkeit und Streben nach Ehre scheinen die Hauptmerkmale im kastilischen Lanzenstechen zu sein. Nach Meinung des spanischen Berichterstatters sind aber die Schaffhauser Turniere zweckmässiger, wenn es um die Abstrafung <Bestrafung> unehrenhaften Verhaltens einzelner Ritter geht.

 

Das Kauf- und Rathaus in Schaffhausen von 1395 – ein multifunktionales Gebäude im Spätmittelalter

Diskret und bislang wenig beachtet fügt sich das Gebäude mit seiner Schmalseite in die südliche Häuserzeile der Vordergasse ein, heute Hauptgeschäftsstrasse der Stadt. Damit präsentiert es sich dem Betrachter nicht mit seiner Längsseite wie dies seinem eigentlichen Status als Rathaus, als Sitz der heutigen Parlamente von Stadt und Kanton Schaffhausen angemessen wäre.

Hinzu kommt der 1922 eingeführte und eher unverständliche Name «Rathauslaube», der eigentlich nur für den damals geschaffenen stützenfreien Saal im Obergeschoss gilt und Besucher des Gebäudes immer wieder verwirrt.

Bis vor wenigen Jahren war man der Ansicht, das Gebäude sei von Anfang an als Rathaus und in Etappen über Jahrzehnte hinweg erbaut worden. Die erste Nachricht stammt von 1382, als in einer Vereinbarung zwischen dem Rat und dem Nachbarn Heinrich von Mandach die Nutzung von Mandachers Brandmauer und die Ableitung des Dachwassers geregelt wurde.

Die Einweihung setzte man mit der ersten Ratssitzung des neuen grossen Rates im Frühjahr 1412 gleich. Er bestand aus Handwerkern und Kaufleuten, die mit der Einführung der Zunftverfassung 1411 an der politischen Macht beteiligt wurden, die bis dahin in den Händen des Adels gelegen war.

Erst dendrochronologische Untersuchungen machten deutlich, dass das Gebäude in den Jahren 1394/95 errichtet wurde und damit die Quelle von 1382 nur als Absichtserklärung zu verstehen ist. Aus den Stadtrechnungen geht eindeutig hervor, dass es zuerst als Kaufhaus erbaut wurde um Waren zu stapeln, für den Handel und vor allem auch für den Jahrmarkt. Erst durch die Einbauten und Erweiterungen der Jahre 1411-13 kam die Funktion als Rathaus hinzu.

Der Aufbau einer Häuserdatenbank in einem privaten Projekt ermöglicht es zudem anhand von Steuerbüchern, Stadtrechnungen und weiteren Schriftquellen seine mittelalterliche Einrichtung zu rekonstruieren und Porträts seiner Bauhandwerker, den Amtsleuten, von Räten, Richtern, Gefangenen, Besuchern der Stadt und vieler anderer nachzuzeichnen.

Weiter überliefern die Quellen die Nutzung des Gebäudes als Kornhaus, Zeughaus, Ausstellungsraum, als Festsaal im Turnier und vermutlich auch als temporärer Hof der österreichischen Herzöge. Durch ihre grossen Hallen wurden die Kaufhäuser der mittelalterlichen Städte zu multifunktional nutzbaren Gebäuden der Bürgerschaft.

 

Lebendige Traditionen um den Munot

Der Munot ist das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt Schaffhausen. Keine andere Stadt der Eidgenossenschaft hat sich im 16. Jh. ein Bauwerk von vergleichbarer Monumentalität geleistet.

Rund um das Schaffhauser Wahrzeichen gibt es eine Vielfalt an traditionellen und modernen Aktivitäten. Träger dieser Aktivitäten ist der 1839 gegründete Munotverein. Ende Juni bis Ende August finden auf der Zinnenplattform die traditionellen Munotbälle statt, deren Höhepunkt seit 1886 ein Gesellschaftstanz, die Quadrille, ist. Seit 1940 wird ein Kinderfest mit Feuerwerk durchgeführt, seit 1996 erfreut sich ein sommerliches Kino-Openair grosser Beliebtheit.

Das Amt des Munotwächters war bis 1926 noch effektiv als Meldestation besetzt. Heute läutet der Munotwächter, der immer noch im Turm der Festung wohnt, jeden Abend um 21 Uhr von Hand das Munotglöcklein. Das berühmte Glöcklein von 1589 ist Gegenstand einer Sage und eines landesweit bekannten Liedes.

 

Burgruinen im Kanton Schaffhausen

Die Quellenlage erlaubt nur wenige Rückschlüsse über die Datierung und bauliche Entwicklung der fünf Schaffhauser Burgruinen Ottersbühl, Wolkenstein, Hartenkirch (Siblinger Schlossranden), Radegg und Randenburg. Schriftquellen aus dem Hochmittelalter haben sich keine erhalten. Die ältesten Berichte finden sich in der um 1605 verfassten Chronik der Stadt und Landschaft Schaffhausen von Johann Jakob Rüeger.

Das archäologische Fundmaterial, im Wesentlichen aus Grabungen des 19. und frühen 20. Jh. stammend, ist nur bedingt aussagekräftig. Aufgehendes Mauerwerk hat sich nur auf der Radegg erhalten.

Über die Besitzer der Burgen herrscht einzig im Fall der Randenburg und der Radegg Klarheit. Sie lassen sich im Laufe des 13. Jh. in der Stadt Schaffhausen nachweisen, ihre Stammsitze scheinen allmählich aufgegeben worden zu sein. Indizien für eine kriegerische Zerstörung lassen sich nur für die Radegg belegen.

Allen Ruinen eigen ist ihre touristische «Wiederentdeckung» im 19. Jh., im Falle der Radegg im beginnenden 20. Jh.