Zeitschrift, Mittelalter 2006/2

CHF12.50

Beschreibung

Jacques Bujard und Christian de Reynier: Burgen und Städte im mittelalterlichen Neuenburg – neue Erkenntnisse aus der Archäologie

Dorothee Rippmann: Gezähmte Natur – Gärten in mittelalterlichen Burgen

 

e-periodica.ch/2006/2

 

Burgen und Städte im mittelalterlichen Neuenburg – neue Erkenntnisse aus der Archäologie

Der Kanton zählte 11 Burgen: Vaumarcus, Gorgier, Boudry, Colombier, Neuchâtel, Nugerol, Le Landeron, Valangin, Rochefort, Môtiers und die Tour Bayard von Saint-Sulpice (vgl. Abb. 1). Nach den wenigen überlieferten Schriftquellen und besonders nach der Namenforschung zu schliessen, bestanden im Frühmittelalter karolingische Herrschaftszentren im Val de Nugerol, Val de Travers und Val de Ruz. In Colombier ist der karolingische Hof im 10. Jh. in zu einer Burg ausgebaut worden, in Neuenburg dagegen entstand zu jener Zeit eine befestigte Siedlung mit einem Saalbau aus Stein.

Wahrscheinlich schon im 12. Jh. entstanden an verschiedenen Orten im Neuenburger Land Burgen, die lediglich aus einemTurm bestanden. Die Türme haben Dimensionen von 8 x 8 m bis 12 x 15 m und sind bis 20 m hoch. Eine ganz andere Entwicklung nahm einzig Neuenburg, wo bereits im 12. Jh. der vorhandene Saalbau zur Residenz ausgebaut wurde.

Im Lauf des 13. und anfangs des 14. Jh. entwickeln sich die Turmburgen zu Burgen mit Wohnturm und Ringmauer. Der Hauptturm erreicht nun Dimensionen von 10 x 20 m. Eigentliche Wehrtürme mit vorwiegend defensivem Charakter entstehen erst anfangs des 14. Jh. und dienen meist dazu die Burg zu schützen und den Zugang zur Burgstadt zu kontrollieren (z.B. Le Landeron, Boudry).

Angriff und Verteidigung einer Burg mit Feuerwaffen bedingen seit dem 15. Jh. eine Ausdehnung der Verteidigungseinrichtungen; die meisten Neuenburger Burgen erreichten in dieser Zeit ihre grösste Ausdehnung. Aber die wie Adlerhorste auf Felsen gesetzten Burgen konnten die Bedingungen der neuen Belagerungstechnik (Poliorcétique) nicht mehr erfüllen. Der weitere Ausbau zu veritablen Festungen unterbleibt. Wenn die Burg nicht aufgelassen wird, so wird sie zur unbefestigten Residenz der Herrschaften umgebaut und überlebt so den Lauf der Zeit.

Einen zweiten Schwerpunkt der archäologischen Forschung im Neuenburger Land bildet die mittelalterliche Stadt. Die älteste Stadtsiedlung entwickelt sich im 12. Jh. am Fuss der Neuenburger Residenz; sie erhält 1214 das Stadtrecht (lettre de franchises). In Boudry, Le Landeron und Valangin entstehen um die Burg Siedlungen, die Ende des 13. bis um die Mitte des 14. Jh. erstmals als Stadt erwähnt werden. Die vor 1295 durch die Herren von Valangin gegründete Stadt La Bonneville wurde allerdings bereits 1301 durch Rudolf von Neuenburg zerstört (Konkurrenz).

Der unregelmässige Stadtgrundriss von Neuenburg zeigt, dass sich die Siedlung allmählich bildete und ausbreitete. Anders dagegen die im 13. Jh. aufkommenden Städte Boudry, Le Landeron, Valangin und La Bonneville, die regelmässige Stadtgrundrisse (Strassenstadt, ville-rue) aufweisen. Im Gegensatz zu den Burgen werden die Stadtbefestigungen auch nach dem 15. Jh. weiterhin unterhalten und bleiben teilweise bis ins 19. Jh. erhalten.

Während die archäologische Forschung die Formen und Dimensionen der Stadthäuser von Le Landeron, Boudry und Valangin gut erfassen konnte, sind die Kenntnisse über Neuchâtel und La Bonneville noch zu verbessern.

 

Gezähmte Natur – Gärten in mittelalterlichen Burgen

Als Orte steter Veränderung, des Wachsens und Vergehens, hinterlassen Gärten längst vergangener Zeiten keine dauerhaften Strukturen. In der Burgenforschung sind die Gestaltung der Landschaft im Umfeld einer Burg einerseits und Gärten andererseits bislang im Allgemeinen kein Thema – dies, obwohl der Lustgarten als geschützter, „lieblicher Ort“ (locus amoenus) in der adelig-ritterlichen Kultur des Mittelalters immer präsent war, wie Epik und lyrische Dichtung, aber auch die Gartenmotive in der Tafelmalerei und auf den Wirkteppichen beweisen; sie stehen häufig im Zusammenhang mit der Marienverehrung.

Die Belege für verschiedene Typen von Gärten – seien es Gemüsegarten („Krautgarten“ / frz. potager oder verger d’herbes), Obstgarten (frz. verger), Weingarten (frz. vignoble), Liebes- und Lustgarten (frz. vergier d’amour) oder Tierpark – müssten für eine Anzahl von historischen Landschaften einmal systematisch aus der Urkundenüberlieferung und anderen Schriftzeugnissen zusammengetragen werden.

Dies ist ein dringendes Forschungsdesiderat, umso mehr, als seit einigen Jahren botanische Überreste aus archäologischen Grabungen, wie etwa Charavines (F), Haus Meer (D), Eschelbronn (D), Friedberg, Riedfluh (CH), ausgewertet worden sind. So bezeugen die botanischen Pflanzenreste einen bemerkenswerten Artenreichtum und das Nebeneinander von einheimischen und importierten, von wilden und domestizierten Pflanzen.