Zeitschrift, Mittelalter 2003/4

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Beschreibung

Christian Bader: Holzpfähle in der Thur bei Andelfingen – Zeugen einer langen Brückengeschichte

Hansjörg Brem, Daniel Steiner und Monika Zutter: Die alte Thurbrücke von Bischofszell – ein teures Stück Architektur

 

e-periodica.ch/2003/4

 

Holzpfähle in der Thur bei Andelfingen – Zeugen einer langen Brückengeschichte

Im Zuge von Wasserbauarbeiten hatte die Kantonsarchäologie Zürich von 1998 bis 2002 die Gelegenheit insgesamt 94 Holzpfähle im Flussbett der Thur bei Andelfingen zu untersuchen und zu bergen. Der grösste Teil der Pfähle war aus Eichenholz und stammte von 12 Jochen abgegangener Brücken. Die dendrochronologischen Untersuchungen führten zum Nachweis von zwei Vorgängerbrücken im Bereich des 1814/15 errichteten und heute noch benutzten Flussübergangs.

Das älteste archäologisch gefasste Joch der in einer schriftlichen Quelle erstmals 1324 genannten Brücke stammt aus der Zeit um 1360. Reparaturarbeiten oder der Ersatz älterer, schadhafter Brückenjoche sind in regelmässigen Abständen von dreissig bis vierzig Jahren, nämlich 1381, 1424, 1451 und 1481 fassbar. Die Pfähle des zuletzt dazugefügten Jochs 6 weisen erstmals mit Pfahlschuhen verstärkte Spitzen auf. Diese erste Brücke war als einfacher, ungedeckter Steg konzipiert.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erfolgte als kompletter Neubau die Errichtung einer gedeckten Holzbrücke. Vier Joche, die jeweils aus acht mit Pfahlschuhen verstärkten Eichenpfählen bestanden und eine Spannweite von rund 15 m besassen, bildeten den konstruktiven Unterbau des neuen Übergangs. Die Hölzer wurden 1507 geschlagen.

Trotz zahlreicher Beschädigungen, deren Reparaturen in der schriftlichen Überlieferung Niederschlag fanden, sich archäologisch aber nicht nachweisen liessen, diente diese Brücke fast dreihundert Jahre lang dem lokalen und regionalen Verkehr. Erst 1799 wurde sie im Zuge der Besetzung der Schweiz durch Napoleon zerstört.

1815 konnte schliesslich die heute noch benutzte Holzbrücke dem Verkehr übergeben werden. Von Reparaturarbeiten an diesem Übergang zeugen elf 1874 geschlagene Fichtenpfähle mit Pfahlschuhen, die von einer Arbeitsplattform stammen.

 

Die alte Thurbrücke von Bischofszell – ein teures Stück Architektur

Zu den bekanntesten Baudenkmälern im Kanton Thurgau gehört die Thurbrücke von Bischofszell – die längste mittelalterliche Brücke aus Stein in der Schweiz.

Vom späten 15. Jahrhundert an bis zum 18. Juli 1969 trug sie – häufig umgebaut und ausgebessert – den Fahr- und Fussgängerverkehr zwischen Bischofszell und der Gegend von Neukirch und Wil. Auf diesen Zeitpunkt hin wurde in respektvollem Abstand eine neue Brücke eröffnet.

Eine erste Thurbrücke wird um 1300 erwähnt. Der Kern der heute noch bestehenden Brücke wurde 1487 vollendet. Wegen Hochwasserschäden musste die Brücke immer wieder repariert werden. Infolge des zunehmenden Verkehrs wurde 1860 die Fahrbahn der Brücke verbreitert, indem die Brüstungsmauern durch Metallgeländer ersetzt wurden. Der neue Fahrbahnbelag aus Steinplatten verhinderte ein Eindringen von Regenwasser in den Brückenkörper.

Dieser Schutz wurde allerdings 1973 wieder entfernt und das wieder eindringende Wasser verursachte Frostschäden, die nun durch eine aufwändige Sanierung ab 2003 beseitigt werden müssen. Die wieder aufgesetzten Brüstungsmauern werden mit einer Bitumenbahn überdeckt. Der Gehweg wird mit Gussasphalt auf einer Trennfolie ausgelegt. Beide Massnahmen sind reversibel. In den kommenden Jahren werden die verwitterten Tuff- und Sandsteinblöcke allmählich ausgewechselt und durch Rorschacher Sandstein <Sandstein von Rorschach> ersetzt.