Zeitschrift, Mittelalter 2009/4

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Beschreibung

Jean Terrier und Michelle Joguin Regelin: Die Burg von Rouelbeau – ein Holzbau aus dem Spätmittelalter bei Genf

Jakob Obrecht: Die Bauuntersuchung an Turm und Schildmauer der Ruine Hohensax, Sennwald SG, 2008

 

e-periodica.ch/2009/4

 

Die Burg von Rouelbeau – ein Holzbau aus dem Spätmittelalter bei Genf

Die Burgruine Rouelbeau bei Meinier GE ist eines der seltenen Zeugnisse mittelalterlicher Burgenarchitektur auf Genfer Boden. Sie wurde bereits 1921 in die Liste der 60 wichtigsten Denkmäler aufgenommen, die der Kanton Genf damals unter Schutz stellte.

Im Rahmen der Renaturierung von Fluss- und Bachläufen im Kanton Genf wurde ein aufwändiges Projekt ausgearbeitet, das auch die Quellen des Seymaz-Baches erfasst; dieser fliesst unterhalb an der Ruine vorbei. In diesem Zusammenhang wurde ein grosser Geländeabschnitt südöstlich der Burg in einen künstlichen See umgewandelt, aus dem sich ein sumpfiges Biotop entwickelt.

Es war dieses Wiederentstehen des sumpfigen Geländes, das den Kantonalen Archäologischen Dienst Genf (SCG) veranlasste, eine grosszügige Untersuchung des Geländes durchzuführen. Denn die spätmittelalterlichen Bauherren haben offenbar auf diese sumpfige Umgebung beim Bau der Burg Rouelbeau Rücksicht genommen (das Aufwerfen eines künstlichen Hügels für den Bau der Burg wird 1339 urkundlich erwähnt). Das  Forschungsprojekt begann im Frühjahr 2001 und hat zum Ziel, die Baugeschichte der Anlage zu erforschen und auf den Grundlagen der neuen Erkenntnisse die Ruine entsprechend zu konservieren.

Schon nach kurzer Zeit machten die archäologischen Untersuchungen aussergewöhnliche Entdeckungen, nämlich den Nachweis einer weitläufigen Konstruktion in Holz unter den Ruinen der Steinburg, die sich unter einem dichten Bewuchs verbarg. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass diese Holzburg 1334 urkundlich erwähnt wird.

Das Ergebnis der Forschungen auf diesem Platz führt zu wichtigen neuen Erkenntnissen in Bezug auf den Holzbau im Spätmittelalter (14. Jh.). Neben der Gestalt des Bauwerkes und der dabei angewandten Technik, ist die Frage der kurzen Bauzeit zu erörtern. Denn es wurde Material verwendet, das ohne grossen Aufwand für den Bau nutzbar und in der näheren oder weiteren Umgebung erreichbar war.

Von der wissenschaftlichen Seite her ist es wichtig, daran zu erinnern, dass es illusorisch wäre, archäologische Forschungen auf dem Hügel von Rouelbeau durchzuführen, ohne die Ergebnisse der Archivforschung und der Archäologie ähnlicher Stellen zu berücksichtigen. In der Tat sind es die an anderen Stellen geäusserten Hypothesen, die unsere Arbeit auf Rouelbeau leiteten.

Sie erlaubten so die aussergewöhnliche Entdeckung eines Besiedlungshorizontes aus der 1. Hälfte des 14. Jh. in einer eher ungewöhnlichen Tiefe, in der die Spuren von Holzbauten nur sehr schwer zu entdecken sind. Diese Fragen sollten auch bei anderen Konstruktionstypen gestellt werden, wie etwa bei den Holzkirchen, die im Raume Genf gemäss den Schriftquellen ebenfalls bis ins Spätmittelalter errichtet wurden.

Angefangen im Jahre 2001 und in den folgenden Jahres regelmässig weiter geführt, benötigt dieses Froschungs-, Konservierungs- und Nutzungs-Projekt noch weitere Etappen, um zu einem befriedigenden Abschluss zu kommen. Letzlich ist es eine umfassende Darstellung eines Natur- und Baudenkmals in Übereinstimmung mit den Ideen einer nachhaltigen Entwicklung, die wir der Öffentlichkeit geben wollen; einem Publikum, das seine Umwelt zu respektieren lernt, indem es sie entdeckt.

 

Die Bauuntersuchung an Turm und Schildmauer der Ruine Hohensax, Sennwald SG, 2008

Turm und Schildmauer der weitläufigen Anlage der Ruine Hohensax wurden 2008 konserviert. Die vorgängig am aufgehenden Mauerwerk durchgeführte Bauuntersuchung zeigte, dass der vermutlich im frühen 13. Jh. erbaute Megalithturm kurz vor dem Jahr 1315 teilweise abbrannte und anschliessend wieder repariert wurde. Abgerissen und anschliessend vollständig neu aufgebaut wurden dabei das 2. Obergeschoss, das Dach und die Zugangslaube zum Hocheingang. Bei diesem Umbau erhielt der Turm auf der Nordostseite des 2. Obergeschosses neu eine zweite Laube.

Das Baudatum der an den Turm anstossenden Schildmauer liess sich nicht bestimmen. Es gibt aber Anhaltspunkte dafür, dass diese mehr als zwei Meter dicke Schutzwand im Zuge einer Neugestaltung der Anlage nach dem ersten Brand des Turmes gebaut worden ist. Die zehn auf der Aussenseite der Schildmauer erhaltenen Balkenlöcher waren vermutlich die Träger einer hölzernen Wehrlaube, die ursprünglich bis zum Turm weiterlief.

Archäologische Grabungen in der Zone hinter der Schildmauer würden nicht nur mithelfen, den Grundriss der Anlage zu ergänzen, sondern viele neue Informationen zur Baugeschichte und zum Alltagsleben der Bewohner dieser 1446 in den Wirren des Alten Zürichkriegs von den Appenzellern zerstörten Burganlage liefern.