Zeitschrift, Mittelalter 2026/3

Beschreibung

Simone Schmid und Urs Leuzinger: Die neu entdeckte Holz-Erde-Burg Töbeli in Uesslingen-Buch (TG) – ein Nebenschauplatz des Investiturstreits (1075–1122)?

Martin Wegmann, Baseli Werth und Walter Schläpfer: Burg Neu-Aspermont: Die Renovation ist abgeschlossen

 

Die neu entdeckte Holz-Erde-Burg Töbeli in Uesslingen-Buch (TG) – ein Nebenschauplatz des Investiturstreits (1075–1122)?

Eine Privatperson erkannte auf dem Geländemodell von swisstopo eine auffällige Geländeformation in der Flur Töbeli bei Uesslingen-Buch im Kanton Thurgau. Die zwei kleinen, mit Gräben umgebenen Plateaus sowie ein Hohlweg deuteten auf eine mittelalterliche Holz-Erde-Burg hin. Ein freiwilliger Sucher führte anschliessend eine amtlich bewilligte Prospektion mit dem Metalldetektor durch. Er fand mehrere Eisenobjekte, darunter drei mittelalterliche Geschossspitzen, die typologisch ins 11.–12. Jh. datieren. Die Entdeckung dieser neuen Burgstelle ist von historischem Interesse, da die Anlage nur 1 km westlich der Kartause Ittingen und 350 m nördlich der weiteren, schon länger bekannten Holz-Erde-Burg Chrüzbuck liegt. Es stellt sich die Frage, wo im Mittelalter die urkundlich erwähnte Stammburg der Herren von Ittingen lag und ob nach deren Zerstörung um 1079 eine Standortverlagerung des Sitzes stattfand, bevor im Jahr 1152 das Chorherrenstift im Bereich der späteren Kartause Ittingen gegründet wurde.

Die Geschehnisse im Zusammenhang mit der Zerstörung der Burg Ittingen im Jahr 1079 stehen in direktem Zusammenhang mit dem Investiturstreit und dem Versuch von Seiten des Königs Heinrich IV., die Ländereien des papsttreuen Abts von Reichenau, Eckhard II., zu entreissen und seinem eigenen Parteigänger, dem Abt von St. Gallen zuzuführen. Als dies nicht gelang und das Kloster St. Gallen in Bedrängnis geriet, reagierte der Abt mit Angriffen auf papsttreue Gebiete, wozu auch Ittingen zählte.

Die Suche nach einer Erklärung für die räumliche Nähe der beiden Burgstellen Chrüzbuck und Töbeli ergab, dass diese nicht an einer verkannten, bedeutenden Verbindungsstrecke zwischen Winterthur und Konstanz lagen, sondern wohl zur Markierung des Territorialanspruchs im Zusammenhang mit Grenzübergängen zwischen den Ländereien unterschiedlicher Besitzer dienten.

Die Entdeckung der Burgstelle Töbeli zeigt exemplarisch, wie erfolgreich die enge Zusammenarbeit zwischen Freiwilligen und dem Team des AATG ist. Für die Forschung und die Kommunikation war und ist der Dialog zwischen der Fachstelle und der Bevölkerung von grosser Bedeutung.

 

Burg Neu-Aspermont: Die Renovation ist abgeschlossen

Die Burganlage Neu-Aspermont oberhalb von Jenins weist eine lange und abwechslungsreiche Geschichte auf, die mit dem Abschluss der Sanierungsarbeiten 2025 einen weiteren Meilenstein erreichte.

Die Anfänge der Burg gehen mutmasslich auf die Herren von Aspermont zurück, die als Erbauer der ab 1232 (d) errichteten Anlage angenommen werden. Bis 1238 war an den Turm auch ein dreigeschossiger Palas angebaut. Später wurde an diesen noch ein weiterer Gebäudetrakt gestellt. Die grosse Bedeutung der Handelswege im Rheintal wirkte sich auch auf die Burg aus, welche mehrmals Mittelpunkt von Konflikten stand und wiederholt Zerstörungen und Plünderungen ausgesetzt war. Im Zuge dieser Ereignisse wurde sie als einer der wenigen Burganlagen im 15. Jh. für den Gebrauch von Feuerwaffen umgerüstet. Sie gilt als hervorragend erhaltenes Beispiel dieser Übergangsphase. In der Renaissance entwickelte sie sich zum Schloss, wurde jedoch um die Mitte des 17. Jh. bereits aufgegeben und verfiel zusehends. Anfangs der 1990er- Jahren waren die Innenräume mit Schuttmaterial verfüllt und der Zugang in die Burg verschüttet. Der Zustand der Anlage verschlechterte sich zusehends.

1996 schlossen sich der damalige Burgbesitzer Karl Willi Rhomberg und Interessierte aus Jenins zum Burgverein Neu-Aspermont zusammen mit dem Ziel, die Anlage zu sichern und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. 1999 begann der Verein mit den ersten Konservierungsarbeiten. Zu Beginn der Arbeiten 1999 zeichnete sich Georg Jenny (1951–2008) für die fachliche Leitung verantwortlich. Danach waren es die Fachpersonen des Burgenvereins Graubünden, des Archäologischen Dienst Graubünden, der Denkmalpflege Graubünden sowie das Architekturbüro Jonger/Vassella aus Zürich/Chur. Die Arbeiten fanden stets in enger Zusammenarbeit mit dem Burgverein und der Stiftung Burg Neu-Aspermont statt. Im Jahr 2014 gelang es dem Verein, die Burg zu erwerben und diese 2017 in die neu gegründete Stiftung Burg Neu-Aspermont zu überführen.

Dank dem unermüdlichen Einsatz der Stiftung und vieler Freiwilligen, war es möglich, trotz beschränkter finanzieller Mittel die Restaurierungen kontinuierlich voranzutreiben. Der Burgenverein Graubünden, dem grösstenteils die Sicherung des Mauerwerks oblag, konnte dabei seine jahrzehntelange, auf früheren Burgeneinsätzen gesammelte Erfahrung erfolgreich einbringen.  Am 23. und 24. August 2025 konnte die Wiedereröffnung der Burg nach vollendeter Renovation zusammen mit der Bevölkerung gefeiert werden und die Burg auch dank der neuen Erschliessung – unter anderem mit Wendeltreppe – ausgiebig besichtigt und bestaunt werden.

 

PDF Zeitschrift Mittelalter 2026/2