Beschreibung
Jakob Obrecht und Martin P. Schindler: St. Margrethen SG, Ruine Grimmenstein
Peter Niederhäuser: Burgenbruch und Raubrittertum? Ein anderer Blick auf die Freiherren von Enne
Marie-Paule Guex: Le château Saint-Maire : les lieux d’aisance et d’hygiène corporelle d’un palais fortifié médiéval
Annina Freitag: Gemütlich warme Stuben – Die Entwicklung des Kachelofens anhand der Funde aus der Siedlung am Petersberg in Basel
St. Margrethen SG, Ruine Grimmenstein
Die Burg Grimmenstein – ein idealer Vermittlungspunkt
Die Ruine Grimmenstein bei St. Margrethen SG liegt romantisch im Wald auf einem markanten Grat aus Molassesandstein, mit guter Aussicht auf das Rheintal und den Bodensee. Sie ist als naher Ausflugsort bei der Bevölkerung sehr geschätzt. Eigentümerin ist die geschichtsbewusste Ortsgemeinde St. Margrethen. Zur Burg und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern – ab ca. 1250 den Herren von Grimmenstein, dann von 1315 bis 1416 den Freiherren von Enne – sind dank guter und vielfältiger Quellenlage sehr viele Informationen überliefert. Sie beleuchten schlaglichtartig verschiedene Aspekte des Lebens im Mittelalter. Die Burgruine wird damit zum idealen Vermittlungsort für alle, die sich für das Mittelalter interessieren. Mit einer archäologischen Informationstafel, mit Zusatzmaterial auf der Website der Kantonsarchäologie und einem Vermittlungsangebot für die St. Margrether Schulklassen soll die breite Verankerung in der Bevölkerung weitergeführt und gefestigt werden.
Resultate der Bauuntersuchung 2023/2024 an der Ruine des Wohnturms
Am bergseitigen Ende der um 1250 erbauten, langgesteckt trapezförmigen Anlage steht ein grosser Wohnturm, geschützt durch einen vermutlich ehemals doppelten Halsgraben. Der Turm mit drei feindseitig 3,5 m starken Mauern und mindestens 280 m² Nutzfläche, diente gleichzeitig als Schildmauer. Balkenlöcher in den Aussenfassaden der hochaufragenden Turmecke belegen die Existenz von zwei Lauben: einer auf der Ostseite auf der Höhe des 2. Stockwerks und einer zwei Meter höher umlaufenden Wehrlaube auf den drei dem Feind zugewandten Turmseiten.
In Schutz des Turms lagen der Burghof mit einem zentral gelegenen Zisternenschacht und einem an die nördliche Ringmauer angelehnten langrechteckiges Gebäude sowie der Zwinger. Der auf der Südseite der Burg in den Felsen gehauene Burgweg führte zum äusseren Tor des Zwingers.
Die 1416 gewaltsam zerstörte Burg hat man 1936 bis 1938 vollständig ausgegraben und konserviert. Nachdem im vergangenen Jahrzehnt Teile der letzten hochaufragenden Ecke des Turms weggebrochen und abgestürzt waren, entschloss sich die Ortsgemeinde St. Margrethen, sie 2023/24 baulich in Stand zu setzen.
Burgenbruch und Raubrittertum? Ein anderer Blick auf die Freiherren von Enne
Die Freiherren von Enne werden in der Literatur als eingefleischte Städtehasser und als Raubritter charakterisiert, was die Zerstörung von Grimmenstein 1416 erklärt. Wie die Geschichtsforschung deutlich machen kann, stammt das Bild von Raubrittern aus späteren Zeiten und passt zudem zu einer Überlieferung, die sehr stark von Städten geprägt ist. Deshalb ist die Bezeichnung «Raubritter» nicht wirklich hilfreich. Freiherr Georg von Enne mag ein streitbarer Mann gewesen sein, ob er aber wirklich unbeherrscht, rechtlos und willkürlich gegen Städte losgezogen ist, darf bezweifelt werden. Die Quellen zeichnen vielmehr das Bild einer Familie, die immer wieder in Städten anzutreffen war und die als Opfer der schwierigen politischen Umstände im Bodenseeraum gesehen werden kann, wo auch Städte ihre Interessen gewaltsam durchzusetzen versuchten.
Das Schloss St-Maire : Latrinen und Badestuben in einer mittelalterlichen Festung
Das Schloss St-Maire in Lausanne wurde zwischen 1397 und 1430 unter der Bauherrschaft von Bischof Guillaume de Menthonay und, nach dessen Tod, von Bischof Guillaume de Challant errichtet. Letzterer liess im Graben einen Backsteinturm erbauen, der an das Schloss lehnte. Der Turm barg mehrere Untergeschosse mit Gefängnissen. Die ursprüngliche Nutzung des Erdgeschosses und der darüberliegenden Geschosse ist aufgrund der nicht erhaltenen Ausstattung unbekannt. Der Standort des Turms, sein leichtes Mauerwerk und seine enge Verbindung zum Hauptbau – die Böden sind auf gleicher Höhe eingezogen, Verbindungtüren durchbrechen die massiven Schlossfassaden – führen zur Annahme, dass der Turm vielleicht Latrinen und Badestuben barg. Diese Hypothese wird dadurch gestützt, dass ohne Unterbruch ältere Aborte durch jüngere ersetzt wurden. Das Schloss war somit von Beginn an mit sanitären Einrichtungen ausgestattet.
Gemütlich warme Stuben – Die Entwicklung des Kachelofens anhand der Funde aus der Siedlung am Petersberg in Basel
Die Siedlung am Petersberg in Basel wurde in den 1930er-Jahren entdeckt. Zwei neue Grabungen 2017–2019 lieferten neue Erkenntnisse zur Fundstelle. In der Siedlung konnten drei verschiedene Kachelöfen aus dem Frühmittelalter ausgegraben werden. Ein Teil davon ist als Import aus dem Elsass anzusprechen. Seit dem 10. Jh. sind demnach in der Siedlung am Petersberg warme Stuben vorhanden. Die Verwendung des Kachelofens kann am Petersberg ohne Unterbuch bis in die frühe Neuzeit weiterverfolgt werden.




