Zeitschrift, Mittelalter 2007/4

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Beschreibung

Jonathan Frey: Neue Erkenntnisse zum älteren Topfhelm von Madeln

Alfio Martinelli und Stefan Lehmann: Tremona Castello – Vorläufiger Bericht zu den Untersuchungen in einem mittelalterlichen Dorf des Südtessins von 1988 bis 2007

Judith Bangerter-Paetz: Saalbauten auf Pfalzen und Burgen im Reich der Staufer – zur Rekonstruktion, Ausstattung und Nutzung des Saales

 

e-periodica.ch/2007/4

 

Neue Erkenntnisse zum älteren Topfhelm von Madeln

Die neu entdeckten Bändchen des älteren Topfhelms von Madeln beweisen, dass Helm und Helmzier spätestens im 14. Jh. eine untrennbare Einheit bildeten, da die Bändchen von Anfang zur Konstruktion des Helms gehörten. Somit kann die enge Verbindung zwischen Helm und Helmzier, die bisher vor allem durch schriftliche und bildliche Quellen belegt war, auch durch einen archäologischen Fund bestätigt werden.

Möglicherweise hat sogar die Form der Helmzier die Form des Helms mitbestimmt, da das damalige Formempfinden die Helmform zumindest in einem ähnlichen Ausmass bestimmte wie die Funktion.

Beim älteren Topfhelm von Madeln scheint es sich um einen scheitelaufliegenden Helm gehandelt zu haben, der aufgrund seiner Grösse, der Asymmetrie bei den Atemlöchern, der möglichst kantenfreien Gestaltung der Vorderseite und des aufwändigen Befestigungssystems für die Helmzier als eigentlicher Turnierhelm betrachtet werden kann, der im Krieg nur zur Not eingesetzt worden sein dürfte. Trifft diese Interpretation zu, ist der ältere Helm von Madeln einer der frühesten erhaltenen Belege für Harnischteile, die eigens fürs Turnier gefertigt wurden.

Der von Hugo Schneider aufgrund von bildlichen Quellen postulierte Übergang vom scheitel- zum schulteraufliegenden Topfhelm während der ersten Hälfte des 14. Jh. kann anhand des Topfhelms von Madeln nicht mehr nachvollzogen werden. Ob dieser Übergang dennoch bereits in der ersten Hälfte des 14. Jh. stattfand, müssten weitere Untersuchungen an erhaltenen Originalen zeigen.

 

Tremona-Castello – Vorläufiger Bericht zu den Untersuchungen in einem mittelalterlichen Dorf des Südtessins von 1988 bis 2007

Die mittelalterliche Wüstung oberhalb des Hügels Castello, nahe Tremona, wird seit 1988 archäologisch untersucht. Die fundreiche Stratigraphie belegt eine sehr lange Begehungs- und Siedlungsgeschichte, die schon zu Beginn des Neolithikums einsetzte.

Im Frühmittelalter (6.–8. Jh.) kehren die Menschen erneut auf den Hügel zurück und bestatten drei Kinder. Möglicherweise errichten sie auch eine Siedlung auf dem Hügel.

Die mittelalterliche Wüstung findet ihren Ursprung aber erst in der zweiten Hälfte des 10. Jh. und wird, mit einem einzigen Unterbruch am Ende des 11. Jh., wohl bis ins ausgehende 13. Jh. bewohnt. Aus bislang unbekannten Gründen wird die Siedlung schliesslich aufgelassen. Unklar ist bisher auch, ob die Siedlung einen bäuerlichen oder eher einen militärischen Charakter hatte.

 

Saalbauten auf Pfalzen und Burgen im Reich der Staufer – zur Rekonstruktion, Ausstattung und Nutzung des Saales

Ein Saalbau wird als das Hauptrepräsentationsgebäude einer Burg oder Pfalz definiert, das in staufischer Zeit in der Regel zwei- oder dreigeschossig ist und wesentlich durch einen oder mehrere Sälen bestimmt wird. Es besitzt im Allgemeinen eine klare Gebäudeform mit langgestrecktem, meist rechteckigem Grundriss und wird quer erschlossen.

Der seltenere reine Saalbau besteht ausschliesslich aus mehreren, geschossgrossen Sälen übereinander, der häufiger vorkommende differenzierte Saalbau kombiniert einen Saal im Obergeschoss oder mehrere Säle in den beiden Obergeschossen mit Wohnräumen unter einem Dach.

Die Säle aus der Stauferzeit besassen in der Regel eine flache Holzbalkendecke, welche bei grösseren Spannweiten meist von einer mittleren Stützenreihe mit Unterzug getragen wurde. Stützen in Sälen konnten sehr dekorativ gestaltet sein.

Der Fussboden der Säle bestand manchmal aus Estrichmörtel, häufiger aus glasierten und ornamentierten Tonfliesen, welche in unterschiedlichen Farben auch als Mosaik verlegt sein konnten.

Als Heizungsanlagen werden in den Sälen häufig Kamine, seltener Kachelöfen nachgewiesen, die überwiegend nur durch archäologische Grabungen bekannt sind. Bei wenigen Burgen und Pfalzen besassen die Erdgeschosssäle eine Warmluftheizung (Wintersaal), während die oberen Säle ungeheizt waren (Sommersaal).

Die Saalfenster hatten in der Regel eine dekorative Ausstattung mit z. T. mit reicher Ornamentik und bauplastischem Schmuck. Manche von ihnen waren auch mit Seitensitzen ausgestattet, um dem Betrachter einen bequemen Ausblick in die Landschaft und den Burghof sowie im Saal selbst zu ermöglichen. Neben den nachgewiesenen Fensterverschlüssen durch Holzläden gab es vermutlich vereinzelt auch schon durch archäologische Funde nachgewiesene Fensterverglasung. Die Ausbildung der über Freitreppen erreichbaren Saalportale erfolgte mit einfacher oder doppelter Profilierung, in dekorativer Kleeblattbogenform bis hin zur reichsten bauplastischen Ausstattung.

Die Saalwände konnten Steinfarben lasiert oder verputzt und mit einem Farbanstrich oder Malerei versehen sein, wobei bei den Fenster- und Portalrahmungen, Säulenschäften, Kapitellen und Kaminen oft auch verschiedenartige und –farbige Steinmaterialien im Saal zum Einsatz kamen. Für manche Saalbauten sind profane, mit szenischen Wandbildern geschmückte Säle nachweisbar. Oft hat die profane Malerei im stauferzeitlichen Profanbau zeitgenössische ritterliche Heldensagen zum Inhalt.

Als Hauptfunktion bzw. -nutzung der Säle im Obergeschoss dürfen festliche Anlässe, wie Bankette, Empfänge sowie Rechtshandlungen, z. B. Beratungen und Zeremonien angenommen werden. Bis in die spätmittelalterliche Zeit hinein ist Mangels eindeutiger Quellen wenig über die Funktion der Säle bekannt.