Zeitschrift, Mittelalter 2006/1

CHF12.50

Beschreibung

Roland Böhmer und Peter Niederhäuser: Zwischen klösterlichem Ideal und adligen Bedürfnissen: Das Zisterzienserkloster Kappel

Werner Wild: Unter Adler und Fuchs begraben – Ein aufsehenerregendes Frauengrab des 9. Jahrhunderts in Elsau, Kanton Zürich.

 

e-periodica.ch/2006/1

 

Zwischen klösterlichem Ideal und adligen Bedürfnissen: Das Zisterzienserkloster Kappel

Das Kloster Kappel wurde um 1185 von den Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg gegründet und war als ‚Familienkloster‘ der sakrale Eckpfeiler ihrer Macht. Gründung und Förderung des Klosters drückten dabei ebenso Frömmigkeit wie Familien- und Standesbewusstsein aus und dienten der Legitimation von Herrschaft. Kunst- und kulturgeschichtliche Spuren der Gründerfamilie sind auch in Kappel sichtbar. So wurden Fragmente der Grabplatte von Berchtold I. (+1236) bei Grabungen im Kreuzgang gefunden. Eine heute im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich aufbewahrte Memorialtafel der im Kloster begrabenen Eschenbachern hing noch 1526 an einem Pfeiler der Klosterkirche. Und eines der fünf Glasfenster in der Kirche zeigt den jungen Walter von Eschenbach – bekannt durch seine Teilnahme am Königsmord von 1308 bei Windisch.

Ab dem 13. Jh. finden sich aber auch andere Adelsfamilien unter den Wohltätern des Klosters. Im Jahrzeitenbuch waren über 90 Namen von Adligen eingetragen, an der Spitze die Herren von Hallwil (31 Namen), gefolgt von den Herren von Hünenberg (18), Baldegg und Gessler (je 13) sowie Bonstetten (11). Die Herren von Hallwil errichteten um 1300 am Kreuzgang eine Grabkapelle. Um dieselbe Zeit stifteten die Freiherren von Bonstetten, die Herren von Baldegg, von Uerzlikon, von Hünenberg sowie weitere Ritterfamilien der Region Grablegen in der Kirche. In der zweiten Hälfte des 14. Jh. war das Kloster Kappel am Albis deshalb d a s  sakrale Zentrum des regionalen Niederadels und wies als solches in seiner Kirche eine künstlerische Ausstattung von hohem Wert auf.

Auch wenn das Kloster 1527 aufgehoben worden ist, finden sich heute in der reformierten Pfarrkirche und in den umgenutzten Konventgebäuden noch erstaunlich viele materielle Zeugnisse dieser Adelsstiftungen.

 

Unter Adler und Fuchs begraben – Ein aufsehenerregendes Frauengrab des 9. Jahrhunderts in Elsau

Rettungsgrabungen der Kantonsarchäologie Zürich führten in Elsau zur Entdeckung zweier frühmittelalterlicher Kirchen und eines Grabes aus dem 9. Jh. im Nordanbau der zweiten Kirche. Am Skelett der rund 42-jährigen Frau waren verschiedene krankhafte Veränderungen erkennbar. Ein bis sechs Jahre nach der Bestattung öffnete man das Grab wieder, wobei der Schädel und andere Knochen verschoben wurden. Beim Wiedereindecken des Grabes wurde ein massive Steinpackung über die Tote gelegt. Darüber hatte man im Kopfbereich den Fuss eines Seeadlers, im Bereich über den Knien die Pfote eines Fuchses niedergelegt. Nach dem Einbau eines Mörtelbodens war das Grab nicht mehr sichtbar.

Eine bisher unbekannte Handlung stellt das Deponieren von Tierfüssen über einem Grab dar. Versuchte man, der armen Seele mittels Amuletten zum Eintritt ins Jenseits zu verhelfen? Schützte man sich gegen eine gefährliche Tote, welche als Wiedergängerin ihr Unwesen trieb? Der Adler war in der Antike Seelenbegleiter und in der christlichen Ikonografie Symbol für die Auferstehung. Der Fuchs stand dagegen als hinterlistiges Tier mit dem Teufel im Bunde. Vermutlich wiesen die Tierfüsse und auch die übrigen Handlungen mehrere Bedeutungen auf und drücken so auch das Dilemma der Zeitgenossen im Umgang mit der Toten aus.