Zeitschrift, Mittelalter 2026/1

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Beschreibung

Regula Schmid: «er wolt bezwingen alle rich». Karl der Kühne und die Burgunderkriege

Peter Niederhäuser: Habsburg und das burgundische Erbe

Daniel Jaquet: Le panorama de la bataille de Morat. De la peinture au pixel

 

«er wolt bezwingen alle rich». Karl der Kühne und die Burgunderkriege

Karl der Kühne, Herzog von Burgund, führte seit 1465 ununterbrochen Krieg, zuerst gegen Ludwig XI. von Frankreich und die Städte im eigenen Herrschaftsbereich. 1474 belagerte Karl erfolglos die Stadt Neuss. Friedrich III. rief den Reichskrieg gegen ihn aus. Die Städte und Bischöfe am Oberrhein, die Eidgenossenschaft sowie die Herzöge von Österreich und Lothringen formierten sich zu mächtigen Gegnern. Bei Héricourt erlitten burgundisch-savoyische Truppen eine grosse Niederlage. 1475 verwüsteten Berner, elsässische und eidgenössische Freischaren die Waadt und die Freigrafschaft. Karl dem Kühnen gelang es, sich in Lothringen festzusetzen. In nur 10 Monaten folgten dann 1476 die drei grossen Schlachten bei Grandson, Murten und Nancy gegen von Karl dem Kühnen persönlich angeführte Truppen. Der Tod Karls am 5. Januar 1477 bei Nancy veränderte die politischen Kräfteverhältnisse in Europa unwiderruflich. Der Artikel folgt den Ereignissen und zeigt, wie sie sich gegenseitig beeinflussten.

 

Habsburg und das burgundische Erbe

Der Untergang des Herzogtums führte zum Aufstieg Habsburgs – plakativ-verkürzend lassen sich so die Vorgänge nach 1477 zusammenfassen, als der Tod Karls des Kühnen ein Vakuum hinterliess, das zuerst einmal gefüllt werden musste. Die einzige Tochter des Herzogs, Maria von Burgund, vermochte sich auch dank der Ehe mit Maximilian von Habsburg-Österreich als legitime Fürstin der Niederlande zu behaupten. Nach ihrem frühen Tod sollten dann ihre Kinder und Enkel dieses Erbe weiterführen.

Aus der Sicht Habsburgs brachte das Jahr 1477 eine entscheidende Weichenstellung: Maximilian heiratete die wohl begehrteste Frau Europas, lernte eine faszinierende Kultur kennen und sicherte seiner Familie in langjährigen Kriege einen schönen Teil des burgundischen Erbes. Dieses Erbe war Grundlage für Eheschliessungen, welche das 16. Jahrhundert zum Zeitalter der Habsburger machten.

 

Le panorama de la bataille de Morat. De la peinture au pixel

Das Panorama der Murtenschlacht von Louis Braun ist eines der grossen Werke der Schweizer Historienmalerei des ausgehenden 19. Jh. und ein faszinierender Zeuge vorkinematografischer Geschichtenerzählung. Einerseits befasst sich der vorliegende Beitrag mit der Malerei und deren Nutzung im ausgehenden 19. Jh., um zu erklären, weshalb das Murtenpanorama in so vielerlei Hinsicht aussergewöhnlich ist. Es ist das einzige erhaltene Panoramawerk des Malers und ist weltweit eines der wenigen noch verbliebenen Beispiele des 19. Jh. Da es nur selten ausgestellt wurde, ist es zudem erstaunlich gut erhalten. Andererseits stellt der Beitrag die neuen Konsultationsarten vor, die seit der jüngsten Digitalisierung des Panoramas möglich sind. Die digitale Kopie von Brauns Werk ermöglicht zum Beispiel neue immersive Erlebnisse, die sich von jenen des 19. Jh. unterscheiden, und erweitert das Dargestellte um neue Informationen, wodurch das Panorama verständlicher wird. Das Werk ist ein wichtiger Zeuge schweizerischer Geschichtskonstruktion der Burgunderkriege. Sein heutiges Verständnis erfordert die kritische Auseinandersetzung mit den Mythen und Denkweisen des 19. Jh., die sich hinter den Pinselstrichen von Braun und seiner Werkstattgehilfen verstecken.

 

PDF Zeitschrift Mittelalter Heft 2026/1