Zeitschrift, Mittelalter 2008/2

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Beschreibung

Hansjörg Brem: Auf dem Weg – Burgenforschung und Ruinensanierung im Thurgau

Albin Hasenfratz: Die Altenburg bei Märstetten TG – Stammsitz der Herren von Klingen?

Eva Meier: Die Ruine Chastel in Tägerwilen TG

Felicitas Meile: Schloss Frauenfeld – eine mittelalterliche Burg

Annina Lanfranconi: Schloss Hagenwil – eine bauhistorische Untersuchung

 

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Die Altenburg bei Märstetten TG – Stammsitz der Herren von Klingen?

Die heutige Ruine Altenburg bei Märstetten war sehr wahrscheinlich ehemals die Stammburg der Freiherren von Klingen bzw. von Altenklingen, eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter der Nordostschweiz. Die urkundliche Quellenlage lässt keine Rückschlüsse auf die einstigen Besitzer zu. In den Jahren 1901–1910 wurde die Ruine weitgehend ausgegraben.

Die trapezförmige Anlage von 38 m Länge und 23 m Breite umfasst rund 600 m². Sie erweckt den Eindruck einer eher schwachen Befestigung, was sich neben der geringen Mauerstärke auch im Fehlen eines eigentlichen Bergfrieds zeigt. An seiner Stelle begegnen wir lediglich einem kleineren Torturm, der erst in einer späteren Phase errichtet worden sein dürfte. Hingegen scheint die Burg reich ausgestattet gewesen zu sein, wie die in allen untersuchten Räumen festgestellten Wandmalereien nahelegen. Unter dem spärlichen Fundmaterial, das insgesamt vor 1200 datiert werden kann, befinden sich hervorragend gearbeitete, vergoldete Kassettenbeschläge orientalischer Herkunft.

Die Burg muss durch Brand zerstört worden sein, nachdem sie, wie Fundhäufigkeit und vorhandene Fundkategorien zeigen, vollständig geräumt worden war.

 

Die Ruine Chastel in Tägerwilen TG

Die Ruine Chastel liegt am Abhang des Seerückens südöstlich von Konstanz. Noch heute ist sie als langgestreckte Burganlage zu erkennen. Grosse Teile der Ringmauer sind erhalten geblieben, sowie ein noch über 15 m hoher Turm im Nordwesten und die Reste eines Rundturmes im Südosten. Ein mächtiger Gebäudegrundriss an der Nordmauer wirft zur Zeit noch Fragen auf wie auch die Gebäudereste an der Südmauer. Der Zugang zur Burg erfolgte von Norden her durch eine Toranlage am Fuss des Turms und durch einen Zwinger.

Über die Vorzeit der Burgstelle ist noch nichts bekannt, ein römisches Kastell wird jedoch ausgeschlossen. Eine erste Burganlage wurde nach urkundlichen Quellen von Bischof Ulrich I. (1111–1127) erbaut, soll jedoch von seinem Nachfolger Bischof Ulrich II. im Jahr 1128 schon wieder abgetragen worden sein. Ob von dieser ersten Anlage Reste vorhanden blieben, ist noch nicht geklärt. Spätestens im 13. Jh. wurde die Burg wieder aufgebaut, da die Bischöfe von Konstanz im 13. und 14. Jh. regelmässig auf der Burg Chastel residiert und geurkundet hatten. Im Zuge der Spannungen zwischen den Eidgenossen und dem Deutschen Reich wurde die Burg Chastel am 11. März 1499 von den Eidgenossen in Brand gesetzt und zerstört. Die Burg blieb danach eine Ruine, der Platz wurde nicht mehr überbaut.

Die Entstehung eines Schlosses Chastel geht auf das Ende des 16. Jh. zurück. Seine heutige Gestalt verdankt es den Bauten aus dem 18. Jh. und den Umbauten des 19. Jh. Schloss und Ruine sind bis heute in  Familienbesitz.

 

Schloss Frauenfeld – eine mittelalterliche Burg

Schloss Frauenfeld beherbergt heute das Historische Museum des Kantons Thurgau. Im 19. Jh. beginnende Forschungen machten die historische Bedeutung des Gebäudes sichtbar und stellten es als Ort der gemeinsamen Geschichte der Thurgauer Bevölkerung dar.

Die zwischen 1230 und 1240 erbaute Burg entstand als eines der ersten Steingebäude einer planmässig angelegten Stadt. Der Turm aus Findlingssteinen mit südlich angefügtem Wohnbau und einem westlichen Hofraum mit Wehrgang war nördlich von einem Burggraben und Ringmauern geschützt. Die im 13. und 14. Jh. erfolgten Erweiterungs- und Umbauten prägen noch heute das äussere Erscheinungsbild mit. Abgesehen vom Turmdach änderte sich für die folgenden 250 Jahre am äusseren Bild wenig. Ein alle zwei Jahre wechselnder Landvogt verwaltete, repräsentierte und wohnte seit 1534 darin. In der ersten Hälfte des 19. Jh. erfolgten eingreifende Veränderungen, welche die Anlage den Bedürfnissen eines staatlichen Verwaltungssitz anpassten.

Als das Schloss schliesslich einem Neubau eines privaten Käufers weichen sollte, solidarisierte sich eine breite Bevölkerungsschicht mit dem alten Gebäude. Erst als Oberrichter Bachmann das Schloss 1867 kaufte, rettete er den Bau vor dem kompletten Abbruch. Mit dem Umbau von 1958–1960 zum Museum wurde angestrebt, das Aussehen des Schlosses auf dasjenige vor dem 19. Jh. zurückzuführen. Im Vorfeld der nächsten Sanierung wird die Museumsnutzung überdacht.

 

Schloss Hagenwil – eine bauhistorische Untersuchung

Das Wasserschloss Hagenwil steht im Dorf Hagenwil (TG), an der Verbindungsstrasse von Amriswil nach St. Gallen. Sein Ursprung liegt in der Mitte des 13. Jh, als der mächtige Turm errichtet wurde. Zu einem unbestimmten Zeitpunkt, vielleicht noch im 13. sicher aber im 14. Jh., gesellten sich zum Turm eine geschlossene Ringmauer sowie ein Palas. Um 1414 verwüstete ein grosser Brand die gesamte Burganlage. Stehengeblieben sind lediglich die massiven Mauern des Turms, Teile der Ringmauer und die Aussenmauern des Palas. Zwischen 1415 und 1425 wurde die Burg wieder aufgebaut (Abb. 22). Der Turm erhielt eine neue Mauerkrone mit einem vermutlich eingeschossigen Obergaden, und der Palas wurde auf die gesamte Länge des nördlichen Berings erweitert. 1485/86 erfolgt der Bau des bestehenden Torturms.

Nach geringen Veränderungen im 16. und 17. Jh. wurde um 1786 zwischen Palaserweiterung, Hauptturm und Torturm ein zweigeschossiger Verbindungsbau eingesetzt. Er besitzt Malereien (zugeschrieben Joseph Anton Puellacher aus Tirol) und zwei bedruckte Papiertapeten aus dem 18. Jh. (eine aus der Pariser Manufaktur von Jean-Jacques Réveillon). Nach der Säkularisierung des Klosters St. Gallen gelangte das Schloss Hagenwil 1806 in den Besitz der Familie Angehrn, der es heute noch gehört. Sie richtete ab 1825 ein Restaurant ein und nahm verschiedene bauliche Veränderungen vor.

Spätestens im 19. Jh. dürfte auch der Obergaden des Turms durch das bestehende Dachwerk ersetzt worden sein. 1937 erfolgte die erste Gesamtrenovation der Burganlage. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. fanden weitere Unterhaltsarbeiten statt, unter anderem 1994/95 eine umfassende Fassadenrenovation.