Band 2012/40

CHF30.00

Beschreibung

Ursina Jecklin-Tischhauser, Lotti Frascoli, Manuel Janosa: Die Burg Marmels. Eine bündnerische Balmburg im Spiegel von Archäologie und Geschichte

 

Rund hundert Meter über dem Stausee Marmorera liegen unter einem gewaltigen Felsvorsprung die Ruinen der Burganlage Marmels (Gemeinde Marmorera im Tal Oberhalbstein/Sursés (GR). Die Burg war im hohen und späten Mittelalter in Besitz der Herren von Marmels, Ministerialen des Churer Bischofs. Zur Anlage in Schwindelerregender Höhe, gehörte einst eine Kapelle mit zwei angrenzenden Gebäuden, ein Tortrakt und ein repräsentativer, mindestens viergeschossiger Wohnturm.

Dank der Lage der Burg unter dem riesigen Felsvorsprung war ein Grossteil der Anlage stets vor der Witterung geschützt – ein Glücksfall für die Forschung, lagen so auch die Funde über all die Jahre mehrheitlich im Trockenen. Neben dem grossen Umfang des Fundmaterials mit über 6’000 Funden, ist dessen Bandbreite und Erhaltungszustand spektakulär. Insbesondere die in mittelalterlichen Ausgrabungen sonst marginal vorhandenen organischen Funde waren auf Marmels zahlreich: Hölzer, darunter Geräte, Möbelteile, Bauhölzer und Abfallhölzer, ferner Lederfragmente und Schuhe, Pergamentreste z.T. beschrieben, sowie grosse Mengen an Tierknochen und Pflanzenresten.

Zum organischen Material hinzu kommen Metallgegenstände, zahlreiche Schlacken, die von der Metallgewinnung und -verarbeitung zeugen, etwas Keramik und ein grosses Ensemble an Lavezgefässen. Holzobjekte konnten mit Hilfe der Dendrochronologie sicher datiert werden und es gelang, die Entstehung Mitte des 12. Jahrhunderts und das Auflassen der Anlage um 1400 aber auch Ereignisse während der Burgenzeit zeitlich zu bestimmen.

In Zusammenarbeit mit der Universität Zürich (Kunsthistorisches Institut, Lehrstuhl für Archäologie und mittelalterliche Kunstgeschichte, Prof. Georges Descoeudres) legt der Archäologische Dienst Graubünden nun eine umfassende Auswertung der (bau-)archäologisch untersuchten Burganlage Marmels vor – ein Standardwerk für die künftige Burgenforschung Graubündens.