Band 2005/32

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Beschreibung

Jakob Obrecht, Christoph Reding, Achilles Weishaupt: Burgen in Appenzell. Ein historischer Überblick und Berichte zu den archäologischen Ausgrabungen auf Schönenbühl und Clanx

 

Die Anfänge der Besiedlung in der Landschaft Appenzell reichen wohl bis ins 7./8. Jh.zurück. Frühe schriftliche Belege konzentrieren sich zuerst auf das Hinterland (im 9. Jh. nachweislich bewohnt) und betreffen in der Zeit des hochmittelalterlichen Landesausbaus auch den Talkessel von Appenzell (1071 Ausstattung der Kirche); das Mittel- und das Vorderland sind erst in jüngerer Zeit urkundlich belegt.

Die im Jahr 2001 archäologisch untersuchte Burganlage Schönenbüel, der mutmassliche Sitz der urkundlich belegten Herren von Schönenbüel, liegt auf dem Hirschberg östlich von Appenzell. Die kreisrunde «Holz-Erdburg» hatte einen Gesamtdurchmesser von rund 60 m. Unter der Wallschüttung gab es neben einem vermuteten Brandrodungshorizont aus der Zeit zwischen dem 9. und 11. Jh. eindeutige Reste einer ersten Besiedlung im 11. Jh. Im Verlaufe des 12. Jh. wurde die kreisrunde Wehranlage gebaut.

Die Burgruine Clanx liegt nördlich des Hauptortes Appenzell auf einem steilen Bergkegel. Die Forschung geht davon aus, dass die Herren von Sax die Burganlage zwischen 1207 und 1220 errichten liessen. Nach Aussage von Chronisten wurde die Burg 1289 belagert und gebrochen. Nach erfolgtem Wiederaufbau wurde sie 1402 als Auftakt zu den Appenzeller Kriegen durch die Appenzeller erneut zerstört. Clanx blieb Ruine und wurde zum Symbol des Appenzeller Unabhängigkeitsstrebens.

1944 und 1949 wurde Clanx teilweise ausgegraben und konserviert. Die unausgewerteten Funde und Befunde wurden im Zuge eines Nationalfondsprojektes bearbeitet. Teile des zur Hauptsache aus Geschirrkeramik, Ofenkeramik und Metall bestehenden Fundmaterials konnten dem Zerstörungshorizont von 1402 zugewiesen werden und bilden eine wichtige Grundlage zum Aufbau einer mittelalterlichen Keramiktypologie in der Ostschweiz.