Landfogto / Landvogt / Bailli

Herrschaftlicher, meist adliger Beamte des Mittelalters und der frühen Neuzeit, der als Vertreter eines Feudalherrschers in einem bestimmten Gebiet regiert und richtet.

Er hat den Vorsitz im Landgericht und er muss die Landesverteidigung organisieren. Im Krieg führte er das Lehensaufgebot des Landes.

Der Machtbereich eines Landvogts und sein Amtssitz (meist eine landesherrliche Burg) werden als Landvogtei bezeichnet.

Re / König / Roi

Die Könige waren die Herrscher der mittelalterlichen Königreiche in Europa (Frankreich, Ungarn, England oder Deutsches Reich).

Könige waren Alleinherrscher, wurden aber manchmal von einem Adelsgremium gewählt (Wahlmonarchie); anderswo wurde der Titel vererbt (Erbmonarchie).

Scudiero / Knappe / Écuyer

Ritterbürtige junge Leute, die bei einem Ritter das Waffenhandwerk erlernten. Sie begannen ihre Lehrzeit als Page, um als Diener erste Erfahrungen zu sammeln.

Mit 14 Jahren wurden sie vom Priester zu Knappen erhoben. Der Knappe musste nun seinem Herrn beim Anlegen der Rüstung behilflich sein, die Waffen instand halten und die Pferdepflege überwachen.

Auf Kriegszügen und zu Turnieren hatte er ihn zu begleiten und in jeder Beziehung für ihn zu sorgen.

Beim Turnier trug er Helm, Lanze und Schild (davon ihr französischer Name Ecuyer: Schildträger, Schildknappe). Im Kampf hielt der Knappe hinter seinem Herrn, um ihm Hilfe zu leisten, wenn er verwundet wurde, ihm ein anderes Pferd oder eine andere Lanze zu reichen oder die gemachten Gefangenen in Verwahrung zu nehmen.

Hatte der Knappe das 21. Lebensjahr erreicht und sich durch Mut und Treue ausgezeichnet, so empfing er den Ritterschlag.

Nobilità bassa / Kleinadel / Petite noblesse

Siehe Adel.

Rocca / Kernburg / Haute-Cour

Kern der Burg, in der die herrschaftlichen Wohnbauten und der Bergfried lagen. Sie war durch eine eigene Ringmauer, eigenes Tor, oft auch durch Zwingeranlagen geschützt.

Vor der Kernburg lag die Vorburg.

Caminata / Kemenate / Boudoir

Die burgenkundliche Literatur des 19. Jhs. bezeichnete damit einen mittels Kamin oder Kachelofen beheizbaren Wohn- und Arbeitsraum in einer Burg.

Heute wird damit in der Regel ein massives, heizbares Steingebäude einer Burg bezeichnet.

Castello a pianta regolare / Kastellburg / Château régulier géométrique

Eine Burganlage mit quadratischem oder rechteckigem Grundriss und Rundtürmen in den Ecken.

Derartige Burgen standen meist auf ebenem Gelände und waren von einem Wassergraben umgeben.

Die Kastellburg entstand um 1200 in Frankreich und verbreitete sich in der ersten Hälfte des 13. Jh. in ganz Europa.

Camino / Kamin / Cheminée

Siehe Heizung.

Imperatore / Kaiser / Empereur

Der Titel bezeichnet allgemein die ranghöchsten, noch über den Königen stehenden Herrscher. Er leitet sich von dem römischen Staatsmann Julius Caesar ab.

Im deutschen Reich des Mittelalters sahen sich die deutschen Könige in direkter Nachfolge der römischen Caesaren: Die höchste weltliche Macht sei von den Römern auf das deutsche Reich übergegangen. Es wurde deshalb Heiliges römisches Reich deutscher Nation genannt. Der deutsche König liess sich jeweils vom Papst zum Kaiser krönen.

Stufa di maiolica / Kachelofen / Poêle de faïence

Eine im Mittelalter auf Burgen weit verbreitete Art der Heizung.