Generalversammlung in Thun

29./30. August 2009

82. Jahresversammlung des Schweizerischen Burgenvereins

Besichtigung von Schloss Thun, Samstag, 29. August 2009

Am Samstag, den 29.8. 2009, versammelten sich rund 40 Mitglieder des Vereins um 10.30 Uhr vor dem Schloss Thun. Nach der offiziellen Begrüssung führte uns Liliane Raselli, Schlossmuseum Thun, in die Geschichte von Burg und Schloss Thun ein und wies am Schluss auch auf die Problematik hin, die sich aus der neuen Situation ergibt wenn der Kanton Bern seine Landvogteischlösser zum Verkauf ausschreibt. Welcher neuen ökonomisch rentablen Nutzung soll und darf die Zähringerburg und das Landvogteischloss Thun zugeführt werden? Auf dem anschliessenden Rundgang wurden die Besonderheiten der Räume gezeigt. Der grosse Saal ist ein eindrückliches Beispiel für die einfache Raumgestaltung im ausgehenden 13. Jh.; das Rechteck des Grundrisses hat zwischen der Länge und der Breite ein Verhältnis im Goldenen Schnitt. In den darüberliegenden Räumen des Museums wurden die verschiedenen Spuren gezeigt, die auf die Nutzung dieses Stockwerkes als Gefängnis in der Neuzeit hinweisen. Heute befindet sich hier der Museumsteil mit der modernen Stadtgeschichte von Thun. Nach dem Aufstieg auf den Dachboden konnte man die gewaltige Konstruktion des Dachstuhles von innen betrachten und durch eines der vier Ecktürmchen einen Blick auf die Dachlandschaft von Thun und Umgebung werfen. Im Untergeschoss des Burgturmes, das ursprünglich vollständig aufgefüllt war, befinden sich kunsthistorische und gewerbliche (Heimberger Keramik) Ausstellungsgegenstände.

Besichtigung Gross und Klein Höchhus in Steffisburg, Samstag, 28. August 2009

Nach dem Mittagessen führte Dr. Armand Baeriswyl, Archäologischer Dienst Kanton Bern, die Teilnehmenden durch die Stadt Thun und erläuterte an verschiedenen Stellen in den Gassen von Thun die Stadtentwicklung. Um 15 Uhr besammelte sich die Exkursionsgruppe auf dem Bahnhofplatz und fuhr mit dem Linienbus nach Steffisburg. Dort erläuterte Dr. Baeriswyl zuerst ausführlich die Geschichte von Gross und Klein Höchhus und zeigte dann beim einem Rundgang um und durch das Gebäude die zahlreichen Besonderheiten dieses herrschaftlichen Baues. Da und dort wurden auch die denkmalpflegerischen Massnahmen diskutiert.

Jahresversammlung im Gross Höchhus in Steffisburg, Samstag, 28. August 2009

Schon etwas müde von der Exkursion versammelte sich die Gruppe um 17 Uhr im Dachsaal des Grossen Höchhus von Steffisburg zur statutarischen Jahresversammlung des Vereins. Anwesend waren 28 stimmberechtigte Vereinsmitglieder und 7 Vorstandsmitglieder. Die traktandierten Themen gaben wenig Anlass zur Diskussion. Ergänzend zum Jahresbericht 2008 machte die Präsidentin auch einen Blick in die Zukunft und zeigte insbesondere, welche Themen die nächsten Jahresgaben zum Inhalt haben. Die Jahresgabe 36/2009 ist ein Sammelband mit Kurzbeiträgen aus dem Kolloquium "Stadtarchäologie und Geschichte". Die Jahresgabe 37/2010 ist den Forschungen auf Marmels und Spaniola/Pontresina, zwei Bündner Burgen, gewidmet. Für die Jahresgabe 38/2011 liegt ein Manuskript über die Forschungen auf Mariazell/Beerenberg bei Winterthur vor. Als Jahresgabe 39/2012 ist eine Gemeinschaftsausgabe mit "archäologie schweiz" und der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Mittelalterarchäologie geplant. Im weiteren wird auf die seit Juli 2009 im Internet freigeschaltete Informationsplattform für Jugendliche hingewiesen ( www.burgenkids.ch). Beim Vorstellen von Bilanz und Rechnung 2008 wurde aus dem Plenum die Frage gestellt, warum die Zeitschrift noch gedruckt werden müsse, sie wäre doch viel günstiger im Internet zu publizieren. Da die Gestaltung der Seiten auch beim Internet nötig wären, würden sich die Kosten nur halbieren, war die Antwort des Vorstandes. Bei der allgemeinen Schlussdiskussion wurde der Wunsch geäussert, dass die Bilder der Versammlung und der Exkursionen rascher auf der Homepage des Burgenvereins einsehbar wären.

Exkursion vom Sonntag, 29. August 2009

Einleitung

Seit dem 15. Jh. wechselte eine erhebliche Zahl von kleineren Herrschaften aus dem Ministerialadel (Niederadel) in die Hand von aufstrebenden stadtbernischen Familien. Zur Demonstration ihrer politischen und wirtschaftlichen Macht liessen diese Stadtbürger die verfallenden mittelalterlichen Burgen zu zeitgemässen Landsitzen um- oder ausbauen. Dabei kam es zu unterschiedlichen architektonischen Lösungen. Wurde im einen Fall die mittelalterliche Bausubstanz mehr oder weniger sichtbar gelassen und mit zeitgemässen Wohnbauten umgeben, wurde sie im zweiten Fall teilweise abgetragen und in den Wohnbau integriert. Im dritten Fall verschwand der mittelalterliche Vorgänger ganz und an seine Stelle trat ein völliger Neubau, im vierten entstand das neue Schloss neben der mittelalterlichen Anlage, die man einfach stehen liess.

Schloss Burgistein

Am Sonntag versammelten sich wiederum 40 Vereinsmitglieder am Bahnhof Thun. Als erstes Ziel wurde Burgistein angefahren. Schloss Burgistein ist eine gewachsene Schlossanlage in landschaftlich grossartiger Lage. Die Burg des 13. Jh. ist verschwunden, an seine Stelle erhebt sich die heutige Anlage mit architektonischen Hauptelementen des 15. und 16. Jh. sowie wertvoller Ausstattung. Der Erker und eine Loggia auf Rundbogen geben dem Hof sein in der bernischen Architekturgeschichte einmaliges Gesicht.

Drei Generationen der Besitzerfamilie empfingen im Hof vor dem Schloss die Exkursionsgruppe und zeigten aus ihrer Sicht die Geschichte des Schlosses auf. Der Denkmalpfleger des Kantons Bern, Dr. Jürg Schweizer, erläuterte vor dem Schloss die verschiedenen Bauteile und ihre Bedeutung in der Entwicklungsgeschichte von der Burg zum Schloss. Danach durften die Exkursionsteilnehmenden in zwei Gruppen durch das Schloss gehen. Dabei wurde der Gegensatz zwischen den heutigen Wohnansprüchen und den von der Tradition vorgegebenen Räumen deutlich. Das Springen zwischen den Zeiten des 18. Jh. und der Moderne will geübt sein und kann nur ertragen werden, wenn sich die Bewohner für das von ihren Vorfahren Überlieferte sehr begeistern können.

Schloss Gümligen

Nach dem Mittagessen besuchten wir das heute nicht mehr bewohnte Schloss Gümligen. Das Hofgut Gümligen ist in seiner Gesamtanlage mit der Verschmelzung von Architektur und Gartengestaltung eine Schöpfung des bernischen Spätbarock, ein um 1745 für Beat Fischer errichteter Neubau an der Stelle des mittelalterlichen Hofguts des unmittelbar daneben gelegenen Schlosses Gümligen. Für seine aktuelle Nutzung als Tagungs- und Sitzungsraum eines Unternehmens in der Nähe wurden gezielt moderne Anpassungen vorgenommen. Doch der Gesamtaspekt aus dem 18. Jh. bleibt gewahrt. Insbesondere die Aussenfassade des Hofes mit den Fresken und Malereien beeindruckt den Betrachter.

Neues Schloss Oberdiessbach

Der Bautenkomplex mit dem Alten und Neuen Schloss Oberdiessbach zeigt in exemplarischer Weise die Entwicklung des Herrschaftshauses von der Burg zur Campagne. Das Neue Schloss entstand als Neubau einige Meter neben dem spätgotischen Alten Schloss (dessen mittelalterlicher Vorgänger als Höhenburg sich auf einem Hügel über der heutigen Schlossanlage erhob). Das neue Schloss ist ein Hauptwerk des bernischen Profanbaus (M. 17. Jh.) und der erste französisch geprägte Landsitz in der Region. Die im ganzen Schloss erhaltenen Wand- und Deckenverkleidungen gehören zu den wichtigsten Louis XIII- und Louis XIV-Ausstattungen in der Schweiz.

Mit viel Witz und Charme führt uns der Besitzer von Schloss Oberdiesbach durch sein Haus. Er wies auf den besonders glücklichen Umstand hin, dass er eine Frau habe, die sich ebenso für "sandendes Mauerwerk und sonstiges Altertümer" interessiert wie er, der als 16. Generation der Besitzerfamilie darin wohne. Im weiteren lobte er die Zusammenarbeit mit der Kantonalen Denkmalpflege, die viel Verständnis für seine Anliegen als Bewohner des Schlosses zeigt. Die im ganzen Schloss erhaltenen Wand- und Deckenverkleidungen gehören zu den bedeutendsten Louis XIII und Louis XIV-Ausstattungen der Schweiz. Die Exkursion endete im Grottensaal mit den gepressten und bemalten Ledertapeten.

Der eine oder andere wird nach diesen Einblicken in vergangene Wohnweltel sich fragen, ob er oder sie noch weiter am Traum vom Wohnen im Schloss festhalten soll; schön war die Exkursion auf jeden Fall.

(Text von Thomas Bitterli; Bilder von Marcel Wagner, Hansjörg Frommelt und Thomas Bitterli)

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