Tagesexkursion nach Elgg

Samstag, 16. Mai 2009:

Für einmal zählten 28 rasch Entschlossene am 16. Mai 2009 zu jenen Glücklichen, die sich einen Besuch auf Schloss Elgg sichern konnten. Die Vereinspräsidentin, Dr. Renata Windler, führte mit archäologisch-historischen Erläuterungen in die Landschaft um Elgg ein, deren Bedeutung als Durchgangsraum mindestens seit der Bronzezeit durch Siedlungsspuren belegt ist.

Danach öffnete der Schlossherr, Hansjörg Werdmüller, das Burgtor und begrüsste die Schar interessierter Vereinsmitglieder im Schlosshof, der im Süden vom Wehrturm aus der Zeit zwischen 1200 und 1250, auf den übrigen Seiten von Wohnbauten aus unterschiedlicher Zeit umgeben ist. Er wies auf den St. Galler Ministerialen Walther von Elgg hin, der 1166 genannt wird. 1289 kam die Herrschaft als Lehen an das Haus Habsburg und 1424, definitiv im Jahr 1452, mit der Grafschaft Kyburg an Zürich. Fortan übte die Stadt die hohe Gerichtsbarkeit aus, während die niedere Gerichtsbarkeit in der Form einer kleinen Gerichtsherrschaft im Besitz wechselnder adliger Familien blieb. 1712 kaufte Hans Felix Werdmüller die Herrschaft Elgg mit Zehnten und Jagdrechten. 1715 wurde der Besitz in ein Fideikommiss umgewandelt. 1798 gingen die gerichtsherrlichen Rechte an den Kanton über. Das Fideikommiss existiert bis heute weiter. Wichtige Beschlüsse werden durch rund 30 Angehörige der Familie gefasst.

Beim Rundgang durch das Schloss gewährte der Schlossherr in grosszügiger Weise Einblicke in Räume, deren Ausstattung z.T. bis ins 16. Jh. zurückreicht und die weitgehend in der ursprünglichen Form erhalten und gepflegt wird. Beeindruckend ist die Sammlung von Porträts der Familie Werdmüller, ebenso wie die kostbaren Täfer und öfen in den Räumen, die zum Teil wirken, als müssten nächstens die Gestalten aus den Porträts heraustreten und durch die Räume gehen.

Nach einer Aussenbesichtigung des Schlosses ging es zu Fuss hinunter ins Städtchen Elgg, dessen Häuserzeilen trotz verheerenden Bränden noch die Ausdehnung der ehemaligen Siedlung erkennen lassen. Dr. Roland Böhmer führte sachkundig in die Geschichte der Kirche ein. Von ihm stammt der neue Kunstführer "Die reformierte Kirche von Elgg" (Bern 2009), der nächstens als Schweizerischer Kunstführer GSK Nr. 849 erscheinen wird.

Früheste Bauspuren einer Kirche reichen ins 8. Jh. zurück. Bereits in der 2. Hälfte des 9. Jh. ist ein Gotteshaus urkundlich belegt. Der heutige Bau geht in seinen wesentlichen Teilen in die Zeit zwischen 1508 und 1516 zurück. Im Chor haben sich vor allem an der nördlichen Seitenwand, auf der Ostseite des Chorbogens und an der Decke mittelalterliche Malereien erhalten, die im reformierten Elgg erstaunlicherweise erst 1641 übertüncht wurden. Ungewöhnlich ist die Krypta aus dem frühen 16. Jahrhundert, die von aussen her zugänglich war und offenbar als Grablege diente.

Ein besonderer Dank gebührt Herrn Hansjörg Werdmüller für die kundige und unterhaltsame Führung, Herrn Dr. Roland Böhmer für die Einblick in Geschichte und Ausgestaltung der Kirche sowie der Vereinspräsidentin für die Informationen zur Geschichte des Siedlungsplatzes und für die Organisation dieser informationsreichen Exkursion.

(Heinrich Boxler)

Elgg 1   Elgg 2
 
Elgg 3
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

 

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