Burgruine Tschanüff

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Samstag, 12.6.2010 Tagesexkursion

Bei angenehmen Temperaturen versammelten sich am Samstag, 12. Juni rund 30 Personen in Ramosch, um die Burgruine Tschanüff unter kundiger Leitung von Dr. Ing. Lukas Högl (Zürich) und Dr. Jürg Goll (Müstair) zu entdecken; zu den historischen Vorgängen hat Dr. Jürg Muraro (Winterthur) noch kurze Bemerkungen angefügt. Direkter Anlass zu dieser Führung war die laufende Sanierung der Burgmauern. Damit war die Möglichkeit gegeben, Details am Mauerwerk vom Baugerüst aus zu betrachten.

In mittelalterlichen Quellen heisst die Burg stets Ramosch oder Remüss. Der Name Tschanüff (von Casa nova: neues Haus) taucht erst im 16. Jh. auf und ist vermutlich auf die spätmittelalterlichen Neubauten zu beziehen.

Nach Tarasp ist die Ruine Ramosch die bedeutendste Burganlage im Unterengadin, erhalten als imposante Ruine auf einem kegelförmig Bergvorsprung am Rande des Bachtobels des Val Sinistra. Im monumentalen Mauerwerk der Ruine zeichnen sich durch horizontale und vertikale Baufugen sowie durch Unterschiede in der Mauerstruktur verschiedene Bauphasen ab, die nun während den Sanierungsarbeiten genau dokumentiert werden konnten.

Anhand eines eigens für die Führung erstellten Bauphasenplan sind gegenwärtig 11 Bauphasen oder -etappen festzustellen. Jürg Goll, der die Untersuchungen leitete, erläuterte am Plan die Entwicklung der Burg vom Frühmittelalter bis ins 16. Jh. In der bisherigen Literatur zu Bündner Burgen (zuletzt z.B. Otto P. Clavadetscher und Werner Meyer, das Burgenbuch von Graubünden, Zürich 1984) war die Burg im 12. Jh. entstanden und die sichtbaren Bauphasen wurden dem 13. Jh. , um 1300, dem 15. Jh. und um 1500 zugeordnet. Der massive, bis zur Krone erhaltene Viereckturm ist nun dendrochronologisch datiert um 1254 erbaut worden. Die Bauuntersuchungen zeigten, dass für die Zeit vor diesem Turmbau aber noch mindestens fünf Bauetappen einzureihen sind. Dabei wurde mit grosser überraschung festgestellt, dass die nächst ältere Phase mindestens 300 Jahre zurück geht. Eingespannt zwischen jüngerem Mauerwerk ist nämlich in der östlichen Ringmauer ein Mauerstück erhalten geblieben, das gemäss der dendrochronologischen Datierung von im Mauerwerk enthaltenen Hölzern um 957 erbaut wurde. Damit zeichnete sich ab, dass der Platz möglicherweise bereits zu karolingischer Zeit besiedelt war und im Hochmittelalter mit einer ausgedehnten Burganlage besetzt war, die um die Mitte des 13. Jh. durch die aktuellen Bauteile ergänzt und erweitert wurde.

In der 2009 erschienenen Publikation von Vincenz Muraro über Bischof Hartbert von Chur (vgl. Mittelalter 2009/3, 107) wurden diese Ergebnisse von Ramosch erstmals in grösserem Zusammenhang dargestellt mit dem “Plantaturmes” des Klosters Müstair, der auf Veranlassung von Bischof Hartbert 958 mit Mitteln aus einer Schenkung Kaiser Ottos I. errichtetet wurde.

Die seit 2007 laufenden Untersuchungen an der Burgruine Ramos (Remüs) haben gezeigt, dass die vierte Bautetappe von 956/57(d) in die Amtszeit von Bischof Hartbert fällt. Zum einen wird daraus deutlich, dass der Burghügel bereits viel früher besiedelt und befestigt war, zum anderen entsteht der Eindruck, dass unter Bischof Hartbert im Raum Münstertal/Unterengadin mit einer gewissen Planmässigkeit Befestigungen errichtet wurden.

Diese Ergebnisse werden vermutlich in nächster Zeit Anlass, die Entwicklung des Burgenbaus im Graubünden zumindest in Teilen und regional neu zu überdenken.

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(Text und Fotos Thomas Bitterli)

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