Die Burg Marmels  Eine bündnerische Balmburg im Spiegel von Archäologie und Geschichte

Jahresausgabe 39

von Ursina Jecklin-Tischhauser, Lotti Frascoli und Manuel Janosa. Mit Beiträgen von örni Akeret, Ludwig Eschenlohr, Silke Grefen-Peters, Florian Hitz, Lukas Högl, Marlu Kühn und Christina Papageorgopoulou

Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 40/2012 hrsg. vom Schweizerischen Burgenverein.
ISBN 978-3-908182-24-5

Rund hundert Meter über dem Stausee Marmorera liegen unter einem gewaltigen Felsvorsprung die Ruinen der Burganlage Marmels (Gemeinde Marmorera im Tal Oberhalbstein/Sursés (GR). Die Burg war im hohen und späten Mittelalter in Besitz der Herren von Marmels, Ministerialen des Churer Bischofs. Zur Anlage in Schwindelerregender Höhe, gehörte einst eine Kapelle mit zwei angrenzenden Gebäuden, ein Tortrakt und ein repräsentativer, mindestens viergeschossiger Wohnturm.

Dank der Lage der Burg unter dem riesigen Felsvorsprung war ein Grossteil der Anlage stets vor der Witterung geschützt  ein Glücksfall für die Forschung, lagen so auch die Funde über all die Jahre mehrheitlich im Trockenen. Neben dem grossen Umfang des Fundmaterials mit über 6000 Funden, ist dessen Bandbreite und Erhaltungszustand spektakulär. Insbesondere die in mittelalterlichen Ausgrabungen sonst marginal vorhandenen organischen Funde waren auf Marmels zahlreich: an die 1000 Hölzer, darunter Geräte, Möbelteile, Bauhölzer und Abfallhölzer, ferner Lederfragmente und Schuhe, Pergamentreste z.T. beschrieben, mehr als 21'000 Tierknochen und 18'000 einzelne Pflanzenreste. Zum organischen Material hinzu kommen Metallgegenstände, zahlreiche Schlacken, die von der Metallgewinnung und -Verarbeitung zeugen, etwas Keramik und ein grosses Ensemble an Lavezgefässen. Holzobjekte, konnten mit Hilfe der Dendrochronologie sicher datiert werden und es gelang, die Entstehung (Mitte 12. Jh.) und das Auflassen der Anlage (um 1400) aber auch Ereignisse während der Burgenzeit zeitlich zu bestimmen.

In Zusammenarbeit mit der Universität Zürich (Kunsthistorisches Institut, Lehrstuhl für Archäologie und mittelalterliche Kunstgeschichte, Prof. Georges Descoeudres) legt der Archäologische Dienst Graubünden nun eine umfassende Auswertung der (bau-) archäologisch untersuchten Burganlage Marmels vor  ein Standardwerk für die künftige Burgenforschung Graubündens.

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