Herrenhäuser aus Holz

Mittelalterliche Wohnhäuser in der Innerschweiz

Im Alten Land Schwyz wurde eine Gruppe mittelalterlicher Blockhäuser baugeschichtlich untersucht. Diese Häuser, welche zu den ältesten erhaltenen Holzbauten Europas gehören, weisen eine differenzierte räumliche Struktur auf, welche sie im Umfeld der zeitgenössischen Wohnbauten als Herrenhäuser qualifiziert. Die Bewohner waren Angehörige einer lokalen und regionalen Führungsschicht.

Als sich 1987 bei archäologischen Bauuntersuchungen zeigte, dass das Haus Bethlehem in Schwyz - ein voralpiner Blockbau - im Jahre 1287 oder kurz danach errichtet worden war, war dies eine Sensation, die im In- und Ausland mit Erstaunen zur Kenntnis genommen wurde. Niemand hatte geglaubt, dass sich Holzhäuser aus dem Mittelalter erhalten haben. Inzwischen sind insgesamt acht mittelalterliche Holzbauten aus dem Alten Land Schwyz baugeschichtlich untersucht worden. Das zeitliche Spektrum dieser Bauten reicht von 1176 bis 1341. Damit gehören sie zu den ältesten erhaltenen Holzbauten Europas.

Wer gemäss der archäologischen DatierunAls Abschluss eines seit 1999 laufenden Forschungsprojektes des Kunsthistorischen Instituts der Universität Zürich (Prof. Dr. Georges DescSudres, Lehrstuhl für Archäologie und Kunstgeschichte des Mittelalters) in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kulturpflege des Kantons Schwyz und weiteren Forschungspartnern ist eine Publikation unter dem Titel "Herrenhäuser aus Holz" erschienen (Herausgeber: Schweizerischer Burgenverein). Darin sind die acht untersuchten mittelalterlichen Bauten dokumentiert und nach Gesichtspunkten wie bautechnische Merkmale, Raumstruktur und Ausstattung sowie hinsichtlich nachträglicher Veränderungen untersucht. Aufgezeigt werden ferner das architekturgeschichtliche sowie das gesellschaftliche und wirtschaftliche Umfeld dieser Bauten.

Bei den Innerschweizer Holzbauten handelt es sich um zweigeschossige Wohnhäuser mit 7-18 Räumen auf einem gemauerten Steinsockel. Die aus Fichten und Weisstannen bestehenden Häuser wurden aus sorgfältig bearbeiteten Vierkanthölzern gezimmert. Als räumliche Eigenheit ist eine quer zur Firstrichtung verlaufende Unterteilung des Hauses in einen Wohn- und einen Hauswirtschaftsteil hervorzuheben. Der Wohnteil bestand aus je zwei übereinander liegenden Kammern. Im Wirtschaftsteil befand sich eine bis unter das Dach offene Rauchküche. Diese Raumstruktur, die ohne direkte Vorläufer ist, hat die mittelalterlichen und neuzeitlichen Wohnbauten der Innerschweiz nachhaltig geprägt.

Holzbauten werden zu Unrecht oft mit Bauernhäusern gleichgesetzt. Bei den untersuchten mittelalterlichen Bauten handelt es sich jedoch um Herrenhäuser. Noch im 16. Jahrhundert wurde das um 1287 errichtete Haus Bethlehem herrschaftlich ausgebaut und mit einem ausgemalten Festsaal versehen. Für die Anfänge der Hausbauten lassen sich Besitzer und Bewohner nicht ermitteln. Man kann jedoch davon ausgehen, dass es eine einheimische Führungsschicht war, die in diesen Häusern wohnte. Diese umfassten ursprünglich einen Haushalt und dürften in der Regel von einer Familie mit Gesinde bewohnt gewesen sein.

Seit dem 17. und 18. Jahrhundert sind soziale Veränderungen bei der Bewohnerschaft dieser Häuser festzustellen. Die Bauten entsprachen nicht länger den im Laufe der Zeit veränderten Ansprüchen und Vorstellungen von Wohnlichkeit hinsichtlich Grösse und Helligkeit der Räume sowie bezüglich einer deutlichen Abgrenzung des Hauswirtschaftsbereiches. Bei entsprechenden Anpassungen und Umbauten vermochten diese 700 bis 800 Jahre alten Holzbauten einfacheren Ansprüchen jedoch weiterhin zu genügen.

Dokumentation

die untersuchten Häuser

  • ehemaliges Haus Nideröst (Schwyz)
        errichtet 1176
  • Haus Bethlehem (Schwyz)
        errichtet um 1287
  • ehemaliges Haus in Hinteribach (heute im Freilichtmuseum Ballenberg)
        errichtet 1336
  • Haus Mattli (Schwyz/Oberschönenbuch)
        errichtet um 1326
  • Haus Herrengasse 15 (Steinen)
        errichtet um 1307
  • ehemaliges Haus Herrengasse 17 (Steinen)
        errichtet um 1303
  • ehemaliges Haus Acher (Steinen)
        errichtet 1313-1338
  • Haus Tannen (Morschach)
        errichtet um 1341

Forschungspartner

unterstützt haben das Forschungsprojekt

  • Kanton Schwyz
  • Schwyzer Kantonalbank
  • UBS Kulturstiftung
  • Avina Stiftung
  • Markant Stiftung
  • Otto-Gamma-Stiftung
  • SAGW: Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
  • Universität Zürich

Europäischer Tag des Denkmals zum Thema "Holz"

Freitag, 7. September 2007, 18 Uhr
Führung von Georges Desc?udres durch das Haus Bethlehem in Schwyz

Angaben zum Band 34

DESCOEUDRES, Georges, mit Zeichnungen Franz Wadsack und Daniela Hoesli: Herrenhäuser aus Holz,
Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 34,
Verlag
Schweizerischer Burgenverein, Basel 2007. 184 Seiten; 166 Abildungen, z.T. farbig.
Preis Fr. 55.-/35.- ¬
ISBN 978-3-908182-18-4;
Erhältlich im Buchhandel oder beim Schweizerischen Burgenverein, Blochmonterstr. 22, 4054 Basel, 061 361 24 44,info@burgenverein.ch

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Abb.: Schwyz, Haus Bethlehem, um 1287 errichtet. Die Fensteröffnungen mit Zugladeneinrichtungen sowie die verschalten Lauben stammen aus dem 18. Jahrhundert.
Foto: Robert Rosenberg, Einsiedeln

Bürg Dübelstein

Abb.: Steinen, ehemaliges Haus Herrengasse 17, um 1303 errichtet. Rekonstruktion.
Zeichnung Franz Wadsack / Daniela Hoesli

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Abb.: Schwyz, Haus Bethlehem, um 1287 errichtet; konstruktive Details.
Zeichnung Franz Wadsack / Daniela Hoesli

 
 

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