Buchpräsentation

Vom Dübelstein zur Waldmannsburg
- Adelssitz, Gedächtnisort und Forschungsobjekt

Dank ihrem berühmtesten Besitzer, dem einstigen Zürcher Bürgermeister Hans Waldmann, zählt die Burgruine Dübelstein - auch Waldmannsburg genannt - zu den bekanntesten Burgruinen im Raum Zürich. In den vergangenen vier Jahren ist unter der Leitung des Vereins Pro Waldmannsburg und der Kantonsarchäologie Zürich in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Landesmuseum eine umfangreiche, reich bebilderte Publikation zur Burg, ihren Bewohnerinnen und Bewohnern sowie zur Ausgrabung der Anlage und den archäologische Funden entstanden. Die Publikation erscheint in der Schriftenreihe des Schweizerischen Burgenvereins.

Von der 1611 abgebrannten Burg Dübelstein sind heute im Wald oberhalb von Dübendorf noch die Ruinen und ein tiefer Burggraben zu besichtigen. Zu sehen sind die Grundmauern, welche bei den Ausgrabungen von 1942/43 freigelegt worden waren. Die Publikation zeichnet die Geschichte der Burg sowie ihrer Bewohnerinnen und Bewohner nach, anhand der Baureste, des reichhaltigen Fundmaterials sowie der schriftlichen Quellen und Bilddokumente. Ein besonderes Augenmerk ist dabei auf den berühmtesten Besitzer gerichtet, auf den Zürcher Bürgermeister, Kriegshelden und Haudegen Hans Waldmann, dem die Burg von 1487 bis zu seinem Tod 1489 gehörte.

  Bürg Dübelstein

Abb.: Burgruine Dübelstein von Süden mit dem modernen Zugang, links die Mauerteile des Burgturms. Aufnahme März 2005, Foto Kantonsarchäologie Zürich, Martin Bachmann. (772 KB)

Bauherren und Burgbesitzer

Wer gemäss der archäologischen Datierung in der 1. Hälfte des 13. Jh. die Burg Dübelstein erbaut hatte, ist unbekannt. Vielleicht war es das lokale Adelsgeschlecht "von Dübendorf", das sich um die Mitte des 13. Jh. neu "von Dübelstein" nannte, jedoch bereits am Ende des 13. Jh. ausstarb. Die lange Reihe der in den schriftlichen Quellen erwähnten Burgbesitzer bis 1611 führt zahlreiche Vertreter der Stadtzürcher Oberschicht auf. Viele von ihnen trugen einen Adelstitel und sassen im Zürcher Rat, mit Johannes Schwend, Rudolf Escher vom Glas und Hans Waldmann gehörte der Dübelstein auch drei Zürcher Bürgermeistern. Keinem gelang es so gut wie Hans Waldmann, im Umfeld der Burg Güter und Rechte zu erwerben. Nur zwei Jahre dauerte dessen Herrschaft auf Dübelstein bis zum Sturz und der Hinrichtung 1489, dennoch sorgte seine Verehrung als Heldenfigur im späten 19. Jh. dafür, dass die Ruine den zweiten Namen "Waldmannsburg" erhielt.

  Ausgrabung von 1943

Abb.: Ausgrabung 1943 auf Burg Dübelstein, Blick von Süden auf die Mauerreste des Burgturms. Foto Nachlass Hans Erb, Staatsarchiv Zürich. (640 KB)

Die Burg

Die ältesten Teile der Burg sind ein aus Findlingen gemauerter Turm, die Ringmauer und der Befestigungsgraben sowie Spuren von Holzbauten, die nach einem Brand im 13. Jh. bereits wieder aufgegeben wurden. Darauf wurde in der Nordecke der Ringmauer ein Steinbau errichtet, der als repräsentatives Wohngebäude (Palas) zu interpretieren ist.
Im alten Zürichkrieg 1444 wurde die Burg zerstört. Nach dem Brand wurde die Anlage erweitert: Neben Turm und Palas errichtete man innerhalb der Ringmauer drei weitere Gebäude und erneuerte die Brücke. In dieser zweiten Bauphase wirft 1489 ein Inventar der liquidierten Güter von Hans Waldmann ein Schlaglicht auf die Anlage, werden darin doch Teile des Hausrats und mehrere Räume aufgeführt. Am 27. Mai 1611 soll die Burg wegen der Unachtsamkeit einer Magd abgebrannt sein. Eine mächtige Brandschicht und verbrannte Keramik sind Zeugen dieses Schadenfeuers.
Nach 1611 wurde die Ruine als Steinbruch genutzt und allmählich abgetragen. Zu neuen Ehren gelangte sie erst am Ende des 19. Jh.: Nach dem 1889 in Zürich feierlich begangenen 400. Todestag von Hans Waldmann wurde die Burgstelle zu einem Ausflugsziel mit einem Denkmal für den Gefeierten hergerichtet. Ein Komitee hatte sie erworben und übertrug sie 1891 der Stadt Zürich. 1942/43 wurde die Anlage im Auftrag der Stadt Zürich durch Hans Erb, einen Pionier der schweizerischen Burgenforschung, archäologisch untersucht. Die Auswertung seiner Dokumentation und der Funde bilden ein Kernstück der neuen Publikation.

 

Dübelstein 1489

Abb.: Älteste Darstellung der Burg Dübelstein in Gerold Edlibachs Wappenbuch von 1489. Foto Staatsarchiv Zürich. (1431 KB)

Reichhaltige Fundgegenstände

Aus der Besiedlungszeit der Burg liegt eine beachtliche Zahl an Funden aus Keramik und Glas vor. Angefangen von frühen Becherkacheln bis hin zu Kacheln mit Renaissancemotiven zeugen die Funde von der jeweils zeitgemässen Ausstattung mit Stubenöfen. Reste von Tafel- und Kochgeschirr sowie Tischgläsern und importierten Fayence- und Steinzeuggefässen lassen in etwa erahnen, mit welchen alltäglichen und auch besonderen Dingen sich die Menschen auf Burg Dübelstein eingerichtet haben. Unter den Funden aus Metall findet sich die bei Burgenfunden häufige Palette an Waffen, Trachtbestandteilen, Geräten und Werkzeugen, wobei die bis ins frühe 17. Jh. dauernde Nutzung durch bedeutende Zürcher Familien das Spektrum prägt. Bemerkenswert sind Rüstungsteile und Teile von Feuerwaffen.


Weitere Auskünfte: Kantonsarchäologie Zürich, Markus Stromer, Tel. 043 343 45 42

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Keramikfiguren

Abb.: Keramikfigürchen des 14. bis 16. Jahrhunderts von der Burg Dübelstein. Foto Kantonsarchäologie Zürich, Martin Bachmann. (622 KB)

 

Angaben zum Band 33

Dubler, Reto/Keller, Christine/Stromer, Markus/Windler, Renata, mit einem Beitrag von Hartmann, Chantal: Vom Dübelstein zur Waldmannsburg, - Adelssitz, Gedächtnisort und Forschungsprojekt. Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 33, Verlag Schweizerischer Burgenverein (Basel 2006).
ISBN 978-3-908182-17-7;
196 Seiten; 167 Abbildungen, davon 53 in Farbe, 20 Abbildungstafeln, z.T. in Farbe. Fr. 55.- (erhältlich im Buchhandel und bei der Geschäftsstelle Schweizerischer Burgenverein, Blochmonterstrasse 22, 4054 Basel, Tel. 061 361 34 55, info@burgenverein.ch

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