Mittelalter 2018/4
Heft 2018/4    2. Artikel

Der Plantaturm im Kloster St. Johann in Müstair

von Stefanie Steiner-Osimitz

Das Kloster St. Johann in Müstair zählt seit 1983 zum UNESCO Welterbe. Dies nicht nur wegen der hervorragend erhaltenen Fresken in der Klosterkirche, sondern auch wegen seines Gebäudeensembles. Dazu zählt auch der sogenannte «Plantaturm» nördlich der Kirche.

Lange Zeit galt der Plantaturm aufgrund seines Innenausbaus, der in weiten Teilen aus der Zeit der Äbtissin Angelina Planta (reg. 1478-1510) stammt, als Bauwerk aus der Zeit um 1500. Dank der archäologischen Grabungen und Bauuntersuchungen im 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist es nachgewiesen, dass es sich stattdessen um den ältesten, im Aufgehenden fast vollständig erhaltenen Wohn- und Wehrturm aus der Zeit um 960 handelt. Vom Baubestand aus ottonischer Zeit ist praktisch das gesamte Mauerwerk mit den eingelegten hölzernen Ringankern vorhanden.

Der heute noch vorhandene Innenausbau stammt hngegen vorwiegend aus der Zeit unmittelbar nach einem verheerenden Brand anlässlich des Schwabenkriegs 1499 und wurde in den folgenden Jahrhunderten nur leicht verändert und angepasst. Die Erhöhung der Dachneigung des Pultdaches von ursprünglich 17 Grad auf 27 Grad im Jahr 1664 mit Aufmauerung der Schwalbenschwanzzinnen hat das Äussere recht stark verändert. Seit 2003 ist der Turm das Kernstück des Klostermuseums und ein kultureller Anziehungspunkt, der weit über die Region hinausstrahlt.

Steiner-Osimitz, Stefanie : Der Plantaturm im Kloster St. Johann in Müstair
Mittelalter – Moyen AgeMedioevoTemp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 23. Jahrgang 2018, Heft 4, 188-205.

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