Mittelalter 2018/3
Heft 2018/3    3. Artikel

«Zähringerstädte» - Ein Mythos der Stadtgeschichte

von Armand Baeriswyl

Der Begriff «Zähringerstadt» gilt heute noch in einer breiten Öffentlichkeit als Synonym für eine mittelalterliche Stadt, die von den Herzögen von Zähringen auf grüner Wiese gegründet und nach einem ihnen eigenen Grundrissplan errichtet wurde. Entwickelt wurde diese Hypothese im 20. Jahrhundert, federführend war der Berner Architekturhistoriker Paul Hofer. Archäologische Ausgrabungen in diesen und in anderen Städten in den letzten Jahrzehnten haben aber gezeigt, dass die Vorstellungen überholt sind. Zum einen entstanden viele Städte, Zähringerstädte wie solche im Besitz anderer Herren, über, unmittelbar neben oder mindestens in der Nähe von bereits existierenden Siedlungen. Zum anderen wird immer deutlicher, dass es bei der Entstehung mittelalterlicher Städte durchaus Stadtplanung gab, dass diese aber nicht vom Stadtgründer bzw. Stadtherrn abhing, sondern anderen Gesetzmässigkeiten folgte. Diese sind teilweise über ganz Europa zu beobachten, teilweise aber offenbar auch zeit- oder regionentypisch. Und abschliessend darf nicht vergessen werden, dass nicht die Zähringer oder andere Adelsdynastien Städte errichteten, sondern weitgehend unbekannte Architekten, Ingenieure und Werkmeister. Die «Zähringerstadt» ist ein Mythos.

Baeriswyl, Armand : «Zähringerstädte» - Ein Mythos der Stadtgeschichte
Mittelalter – Moyen AgeMedioevoTemp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 23. Jahrgang 2018, Heft 3, 128 - 134.

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