Mittelalter 2017/4
Heft 2017/4    3. Artikel

Mit einem Schloss leben - «Die Archäologie muss eine Burgruine mit Leben füllen» - «Die Auseinandersetzung mit der Geschichte lehrt einen Bescheidenheit»

Interviews mit Mitgliedern oder Freunden des Schweizerischen Burgenvereins
(Teil 2)

von Boris Schibler

Mit einem Schloss leben
Interview mit Patrick Bürchler, Schloss Spiez

Patrick Bürchler, Sie sind Schlosswart - haben Sie Burgen und Schlösser schon immer interessiert?
Ja, ich bin seit meiner Kindheit vom Mittelalter fasziniert. Mein Vater war geschichtlich interessiert, wir waren oft in Museen, sind oft zu Burgruinen gewandert. Davon gibt es ja einige im Bündnerland, wo ich herkomme. Das hat mich sicherlich geprägt. Dass ich aber später einmal in einem Schloss arbeiten würde, das übrigens einst auch eine Burg war, hätte ich nie gedacht.

Wie wurden Sie Schlosswart?
Ich bin zuerst meinem Drang nach Freiheit und Wildnis gefolgt und habe die Ausbildung zum Forstwart gemacht. Aber das ist ein Beruf, wo man sich mit zunehmendem Alter überlegen muss, wohin es weitergehen soll. Die Arbeit ist risikoreich, man ist immer viel unterwegs und dann gibt es auch noch finanzielle Aspekte, gerade, wenn man Familie hat. Ich hatte mir also schon länger Gedanken gemacht und eines Tages sah ich in der Zeitung das Inserat, dass das Schloss Spiez einen Schlosswart suchte. Das habe ich meiner Frau gezeigt und sie meinte, ich solle es halt probieren. So bewarb ich mich und wurde eingeladen. Beim Vorstellungsgespräch erschrak ich zunächst ein wenig: Sechs Personen sassen da, ich fühlte mich wie der Affe im Käfig oder wie bei einem Verhör. Das Gespräch war dann aber sehr gut. Man wollte ein Ehepaar, möglichst eine Familie, da man ja auch hier lebt. Damals hatten wir zwei Kinder, mittlerweile sind es drei. So kam ich im März 2008 hierher und bin nun in der zehnten Saison.

«Die Archäologie muss eine Burgruine mit Leben füllen»
Interview mit Werner H. Meyer, Basel

Seit wann sind Sie Mitglied des Burgenvereins?
Seit wann?!? Ach... (überlegt) dieses Jahr wurde ich achtzig, mit zwanzig war ich bestimmt schon Mitglied. Also über sechzig Jahre ungefähr. Genau kann ich es nicht sagen.

Lässt sich die Faszination an etwas Bestimmtem festmachen?
Meine Kindheit habe ich in der Spalenvorstadt verbracht, da hatte ich das Spalentor natürlich direkt vor der Nase. Als ich dann mit dem Studium begonnen habe, ermunterten mich meine Professoren, mein Interesse an den Burgen weiterzupflegen. Aber ich müsse unbedingt meinen Horizont erweitern. Für diesen Rat bin ich noch heute sehr dankbar: Aufgrund meines breiten historischen Studiums konnte ich auch in Bereichen arbeiten, wo Burgen zwar vorkamen, aber nicht im Zentrum standen. Ich versuchte immer alles in grössere historische Zusammenhänge einzubauen. Die immer stärker um sich greifende Spezialisierung heute halte ich für eine schlechte Entwicklung.

«Die Auseinandersetzung mit der Geschichte lehrt einen Bescheidenheit»
Interview mit Alec von Graffenried, Bern

Alec von Graffenried, Sie sind nicht Mitglied des Burgenvereins, aber Sie haben andere enge Beziehungen zu Burgen oder Schlössern?
Wie auch zu Denkmälern und zur Geschichte im Allgemeinen, ja. Als Berner Stadtpräsident bin ich «Burgherr» der Grasburg. Warum die Stadt Bern 894 Eigentümerin der Grasburg wurde, dem müsste ich nachgehen. Im Hinblick auf deren Bau- und Benutzungszeit gibt es sicherlich keinen historischen Bezug. Selber finde ich die Anlage sehr eindrücklich. Privat bin ich Mitbesitzer von Schloss Burgistein. Das war ursprünglich auch eine Burg, wovon noch sehr eindrückliche Überreste zeugen: Da gibt es das Fundament des Bergfrieds oder, zuoberst auf dem Hügel, einen Sodbrunnen von rund zwei Metern Durchmesser, der 18 Meter in die Tiefe reicht und dann ein vier Meter Tiefes Grundwasserbecken aufweist. Es verblüfft, wie man eine solche Anlage ausheben konnte  technisch ist das für die damalige Zeit eine unglaubliche Leistung.

Warum sind Sie dort Mitbesitzer?
Im 13. Jahrhundert wurde die Burg errichtet, bereits im 14. Jahrhundert wurde sie, im Zuge des Konflikts zwischen den Rittern und der Stadt Bern, der dann im Laupenkrieg kumulierte, geschleift  aber offenbar nicht vollständig zerstört. Ende 15. Jahrhundert wurde die Anlage durch die Familie von Wattenwyl gekauft, die im 16. Jahrhundert die heute bestehende Anlage erbaute. Durch Heirat kam das Schloss dann in den Besitz der von Graffenried  um 1717, also vor genau dreihundert Jahren. Diese ununterbrochene Besitzergeschichte aus Erbfolge und Weitergabe innerhalb der Familie seit dem 15. Jahrhundert ist aussergewöhnlich für Europa.

Schibler, Boris : Mit einem Schloss leben - «Die Archäologie muss eine Burgruine mit Leben füllen» - «Die Auseinandersetzung mit der Geschichte lehrt einen Bescheidenheit»
Mittelalter – Moyen AgeMedioevoTemp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 22. Jahrgang 2017, Heft 4, 161 - 169.

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