Mittelalter 2017/4
Heft 2017/4    1. Artikel

Scandürasca (Lavertezzo TI) - ein noch ungelöstes Rätsel

von Flavio Zappa und Giulia Pedrazzi

Unterhalb des Pfades, der hundert Meter weiter oben die Maiensäße Revöira und Ca d Dént erreicht, breitet sich eine natürliche Terrasse aus, auf der die Überreste der Siedlung Scandurásc'a zu finden sind. Trotz des Gestrüpps und der allgemeinen Verwilderung sind die typischen Elemente einer alten ländlichen Siedlung zu erkennen.

Von insgesamt rund zwölf Gebäuden, die als Ställe und Wohnhütten genutzt wurden, bleiben nur noch die Reste der Aussenmauern übrig, dazu eine Reihe von Terrassen im östlichen Teil der Ebene, ein Felsabri, ein Hängegarten, verschiedene Grenzsteine und einen Zugangspfad. Die Siedlung wird bergwärts von einem vorgeschichtlichen Steinschlag abgegrenzt, talwärts von einem Abgrund, während an den beiden Seiten die Überreste einer Einfriedung aus Trockenmauern darauf hinweisen, dass die Fläche früher völlig eingeschlossen war, damit die weidenden Tiere nicht eindringen konnten. Im Innern erfolgten einige der traditionellen Tätigkeiten der Bergbauern und Hirten: In den Ställen wurde das Vieh betreut und auf den Terrassen wurde Getreide angepflanzt.

Aus schriftlichen Quellen geht hervor, dass bereits 1906 praktisch alle Gebäude verfallen waren; nur auf den Terrassen wurde noch Heu gemacht. Daraus ist abzuleiten, dass die Siedlung bereits im 19. Jh. verlassen wurde. Der Grund dafür war nicht so sehr, dass die Land- und Weidewirtschaft an Bedeutung verloren hatten, wo sie doch im ganzen Verzascatal bis weit ins 20. Jh. hinein betrieben wurden. Vielmehr lag es wohl daran, dass der Ort durch die Unstabilität des Bodens nicht mehr sicher schien.

Summary
At the foot of the path which, just one hundred meters higher up, links the mountains of Revöira and Ca d Dént, the land opens up into an ample natural plateau where the ruins of the settlement of Scandurásc'a lie hidden. Despite the vegetation and the general state of abandonment, we can recognize the typical elements of an ancient rural nucleus: a complex consisting of a dozen structures that could be stables or farm buildings, a series of terraces in the eastern sector, a shelter under a boulder, a hanging garden, various boundary markers and an access track. The settlement is bounded on the mountain side by a prehistoric landslip, on the valley side by a precipitous drop, while to the sides the remains of a surrounding stone wall indicate that in the past the area was completely closed off, so that animals from the pastures could not enter. The precinct would have been the scene of various traditional agricultural and pastoral activities, with animals being kept in the stables and grains cultivated on the terraces.

Written sources report that as long ago as 1906 practically all the buildings had already fallen into ruin; only hay was still being cut on the terraces. We can infer that the place was abandoned in the 19th century or even earlier, not so much because of the decline of agriculture and the pastoral way of life, but more likely for reasons of safety in view of the instability of the terrain.

Zappa, Flavio Pedrazzi, Giulia : Scandürasca (Lavertezzo TI) - Un enigma ancora irrisolto
Mittelalter – Moyen AgeMedioevoTemp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 22. Jahrgang 2017, Heft 4, 145 - 152.

platzhalter

 
platzhalter
 
 
DE
FR
IT
RO
 
Geschäftsstelle des Schweizerischen Burgenvereins · Blochmonterstrasse 22 · CH–4054 Basel
T +41 (0)61 361 24 44
info@burgenverein.ch / praesident@burgenverein.ch