Mittelalter 2017/2
Heft 2017/2    3. Artikel

Ein Leben für die Burgen - Vom Textilhandel zu Burgen und Stadtmauern - Der Burgenverein schliesst Lücken.

von Boris Schibler

Ein Leben für die Burgen
Interview mit Ernst Bitterli, Erlinsbach SO


Ernst Bitterli, wann sind Sie dem Burgenverein beigetreten?
Das muss um 1960 gewesen sein. Für Burgen hatte ich mich schon als Primarschüler interessiert. Als dann die Solothurner Denkmalpflege Ausgrabungen organisierte, bin ich da hineingerutscht und arbeitete mit Werner Meyer zusammen. Darauf wurden wir mit dem Inventar der Solothurner Ruinen beauftragt. Da ich mich seit früher Jugend für Burgen interessiert hatte, kannte ich etliche Burgstellen die bisher nirgends aufgezeichnet waren. Im Zuge dieser Arbeiten hörte ich vom Schweizerischen Burgenverein und bin dann beigetreten.

Wie sah der Burgenverein vor über 50 Jahren aus?
Es gab noch die alte Garde. Sie bestand nicht in erster Linie aus Wissenschaftlern, sondern aus interessierten Laien, darunter manche Leute, die vermögend waren und den Verein finanziell unterstützten. Die grosse Herausforderung war damals das Burgenmuseum des Vereins im Schloss Rapperswil. Es war von Hugo Schneider mit vielen Leihgaben des Landesmuseums eröffnet worden. Er war damals noch Vizedirektor am Landesmuseum. Es zeichnete sich aber ab, dass das Burgenmuseum nicht rentierte und immer mehr zu einer Bürde für den Burgenverein wurde. 1974 wurde es unter dem neuen Vereinspräsidenten Werner Meyer liquidiert. Man musste damals auch verschiedene Aufgaben neu verteilen: Es brauchte ein Sekretariat und eine Redaktion für die Vereinsnachrichten. Man bemühte sich, vermehrt über das Mittelalter zu publizieren. Dafür wurde eine Schriftenreihe geschaffen, die Schweizerischen Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, von der ab 1974 jährlich ein Band erschien. Damit wurde der Burgenverein auch Mitglied der Schweizerischen Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften SAGW, was dazu führte, dass der Verein für seine wissenschaftlichen Publikationen Subventionen erhielt.


Vom Textilhandel zu Burgen und Stadtmauern
Interview mit Martin Hüeblin, Frauenfeld TG


Martin Hüeblin, wann sind Sie dem Burgenverein beigetreten?
Ich habe Jahrgang 1953 und wurde schon als Jugendlicher Mitglied, weiss aber nicht mehr, ob ich schon mit 16 oder mit 17 Jahren beitrat. Also um 1970 herum.

Warum sind sie beigetreten?
Mich haben Burgen sehr interessiert - wie viele Jugendliche wahrscheinlich. Mit den Eltern, waren wir in den Ferien immer in der Schweiz unterwegs, da mein Vater nicht ins Ausland wollte. Wir fuhren vor allem ins Bündnerland - und wenn man etwa das Domleschg hinauf- und hinunterblickt, sieht man halt auch viele Burgen. Aus meinem Interesse wurde der Wunsch, mehr über diese Burgen zu wissen und in der Mitgliedschaft war die Zeitschrift eingeschlossen. Lange nahm ich aber kaum an den Vereinsaktivitäten teil.


Der Burgenverein schliesst Lücken
Interview mit Katharina König, Bern


Katharina König, wann sind Sie dem Burgenverein beigetreten?
Erst vor kurzem, ich glaube 2015, also vor zwei Jahren.

Warum sind Sie beigetreten?
Ich habe Ur- und Frühgeschichte, provinzialrömische Archäologie und Geschichte studiert. Mich haben, schon damals, hauptsächlich ländliche Besiedlungsstrukturen interessiert sowie Übergangszeiten. Auf der Suche nach einem Thema für meine Abschlussarbeit, das diese Interessen spiegeln sollte, bin ich auf das Früh- und Hochmittelalter gestossen: Beim Archäologischen Dienst Bern ergab sich die Möglichkeit, einen Befund aus dieser Zeit auszuwerten. So kam ich über meine Lizentiatsarbeit zur Mittelalterarchäologie und zum Archäologischen Dienst, wo ich heute tätig bin. Und die Projekte, an denen ich dort mitarbeitete, führten mich immer tiefer in die Mittelalterarchäologie hinein. Burgen aber waren dabei in der Regel ausgeklammert und ich bin ihnen im beruflichen Werdegang nur selten begegnet. Um diese Lücke zu füllen, dachte ich, wäre der Burgenverein ideal, namentlich mit seinen Publikationen. Sehr rasch habe ich mir etwa die Burgenkarte bestellt.

Schibler, Boris : Drei Interview mit Mitgliedern des Burgenvereins
Mittelalter – Moyen AgeMedioevoTemp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 22. Jahrgang 2017, Heft 2, 61 - 68.

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