Mittelalter 2012/2
Heft 2012/2    1. Artikel

Burgenarchäologie im Kanton Luzern – ein Lauf durch die Forschungsgeschichte

von Peter Karrer

Nach heutigem Forschungsstand sind im Kanton Luzern 97 Burgen und Schlösser bekannt, dazu kommen noch 35 vermutete Burgstellen. Nur knapp ein Viertel dieser mittelalterlichen Wehr– und Repräsentationsbauten waren bis heute Gegenstand archäologischer Grabungen und bauanalytischer Untersuchungen.

Ins Blickfeld der Forschung geraten die einstigen Adelssitze allmählich am Ende des 19. Jh. In der Frühphase der Burgenarchäologie waren es vor allem historische Gesellschaften, Heimatvereine und Private, die sich mit viel Hingabe, oft aber mit eben so wenig methodischem Fachwissen den Wehrbauten annahmen. In diese Epoche fallen u.a. die Grabungen auf den grossen Burganlagen des Kantons wie der Ruine Oberrinach bei Herlisberg 1888 und 1940, der Nünegg bei Lieli 1930/31 oder der Äusseren Burg Wolhusen 1930–35.

Mit der Ernennung des ersten Kantonsarchäologen 1954 und der Überarbeitung der gesetzlichen Rahmenbedingungen 1960 wird die Archäologie institutionalisiert, professionalisiert und endgültig der staatlichen Hoheit unterstellt. Mangelnde personelle Ressourcen hatten aber zur Folge, dass man selbst bei zerstörerischen Baueingriffen an den historischen Denkmälern nur zögerlich aktiv wurde und die archäologischen sowie bauanalytischen Abklärungen an den betreffenden Objekten auf ein Mindestmass beschränkt blieben. Grössere Untersuchungen wie jene der Hasenburg bei Willisau 1958/59 oder der Salbüel (Hergiswil bei Willisau) 1982 kamen weiterhin nur auf Initiative Aussenstehender zu Stande.

Erst mit dem Ausbau der Kantonsarchäologie ab 1985 verbessert sich die Situation. Mit wachsendem Personalbestand wurde es möglich, sich konsequent und systematisch den bedrohten Zeugen des Mittelalters anzunehmen. Dennoch beschränkte sich die Aktivitäten in der Regel auf Notgrabungen. Forschungsgrabungen sind infolge des gesetzlichen Auftrages der Kantonsarchäologie und der finanziellen Mittel kaum möglich. Der Schutz der besser erhaltenen Burganlagen kann oft nur dank Geldern von Stiftungen und Burgvereinen gewährleistet werden. Es waren mit der Nünegg, der Äusseren Burg Wolhusen und der Ruine Oberrinach vor allem die bereits weitgehende erforschten Anlagen, die im Zuge von Konservierungsmassnahmen, wieder Gegenstand von Grabungen und bauanalytischen Untersuchungen wurden. In die Liste der neu erforschten Objekte reihen sich unter anderem die Innere Burg Wolhusen 1988/92, das Schloss Heidegg 1989¬–98 ob Gelfingen und die Neu–Habsburg in Meggen 1989/90 ein.

In den letzten Jahren hat sich die Lage wieder verschärft. Substanzielle Budgetkürzungen bei der Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Luzern und langsam versiegende Bundesbeiträge haben den Vollzug des gesetzlichen Auftrages dieser Dienststellen schon fast verunmöglicht, und dies betrifft nicht nur die Burgen und Schlösser. Trotz der angespannten finanziellen Lage war es der Kantonsarchäologie möglich, mit der Sanierung und Untersuchung der Kastelen bei Alberswil 1998–2002 oder der Grabung auf der Stadtburg "Bergli" in Willisau 2003 einige grössere Projekte im Bereich der Burgenforschung durchzuführen. Aktuell steht die umfassende Restaurierung der Ruine Nünegg auf dem Programm, die trotz wiederkehrenden Sanierungsmassnahmen mittlerweile vom Einsturz bedroht ist.

Karrer, Peter : Burgenarchäologie im Kanton Luzern – ein Lauf durch die Forschungsgeschichte
Mittelalter – Moyen AgeMedioevoTemp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 17. Jahrgang 2012, Heft 2, 65 - 87.

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