Mittelalter 2012/1
Heft 2012/1    1. Artikel

Burg und Schloss Brunegg – Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen

von Christoph Reding

Die Burg Brunegg wird in der 1. Hälfte des 13. Jh. auf dem östlichen Ausläufer des Kestenbergs erbaut. Sie war Sitz habsburgischer Dienstleute zur Verwaltung habsburgischen Eigengutes. Um 1270 erfolgt die urkundliche Erwähnung des Wernher dem Schenken von Brunegg, 1273 die Ersterwähnung der Burg. Die Kernburg war bei ihrer Gründung wahrscheinlich als Schildmauerburg konzipiert.

Im 14. Jh. ist die Burg im wechselnden Besitz von habsburg-österreichischen Dienstleuten. Um 1375 erleidet die Kernburg eine Teilzerstörung durch Brand. Der nachfolgende Wiederaufbau führt mit dem Bau des Hauptturmes zu einer Verstärkung der Burg. Sie wird burgenbautypologisch zu einer Mischform aus einer Schildmauerburg und einer Kombination von Hauptturm und Palas umgewandelt. Bauherr war vermutlich Heinrich Gessler, der sich damit einen herrschaftlichen Sitz schafft.

Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahre 1415 liegen die Berner mit den Gesslern im Streit um den Besitzstand. Die Burg ist bereits ab der 2. Hälfte des 15. Jh. baufällig. Ab 1473 geht sie als bernisches Lehen an die Familie der Segenser, welche die Anlage weiter zerfallen lassen.

1538 erfolgt die definitive Übernahme durch die Berner, welche Burg und Umschwung dem Landvogt von Lenzburg unterstellen. Brunegg sinkt damit vom Adels- bzw. Patriziersitz zum vorgeschobenen Posten des bernischen Hochwachtsystem mit angegliedertem Bauernbetrieb herab.

Ab 1555 erfolgen Sanierungsarbeiten an der Burg, konzentrierter aber um 1620–1622 aufgrund der Bedrohungen des 30-jährigen Krieges (1618–1648). Die Unterhaltsarbeiten der Bernerzeit beabsichtigen aber mehr den Erhalt der Anlage und weniger deren fortifikatorische oder repräsentative Aufwertung. Nachdem die Burg bereits 1555 und 1627 vom Blitzschlag getroffen worden war, bringt 1664 ein weiteres Unwetter das im Hauptturm gelagerte Pulver zur Detonation, worauf dieser notdürftig geflickt werden muss. Offenbar erst 20 Jahre später stürzt dessen Nordwand sowie Teile des Zwischentraktes ein. Während der Hauptturm als Halbruine belassen wird, werden Palas und Zwischentrakt wieder hergerichtet.

Nach dem Fall des Ancien Régimes im Jahre 1798 verkauft der Kanton Aargau die Burg an einen Privaten, der die Anlage zur Krankenanstalt umbauen lässt. Der Hauptturm wird auf die Höhe des Wohnbaus abgetragen und die ganze Kernburg unter ein einheitliches Dach gebracht. Mit neuen Einbauten in der Kernburg, der Umgestaltung der Unterburg und der Errichtung von Gartenterrassen wird der Komfort erhöht. Nachdem die Nutzung als Krankenanstalt misslingt, gelangen Burg und Umschwung an die Familie der Hünerwadel von Lenzburg. Mit dem Ausbau der Innenräume wird Brunegg zum Schloss. Seit der Mitte des 20. Jh. ist es im Besitz der Familie der von Salis, welche es seit 1993 sanieren lässt.

Reding, Christoph : Burg und Schloss Brunegg - Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen
Mittelalter – Moyen AgeMedioevoTemp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 17. Jahrgang 2012, Heft 1, 1 - 28.

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