Mittelalter 2011/2
Heft 2011/2    1. Artikel

Das Eisengewerbe im Jura am Beispiel des spätmittelalterlichen Werkplatzes von Lajoux JU, Envers des Combes

von Ludwig Eschenlohr

Aufgrund einer regen Forschungstätigkeit seit Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts konnten im zentralen Schweizer Jura (Kantone Jura und Bern) zahlreiche Erkenntnisse zum frühen Eisengewerbe erworben werden. Die neuen Ergebnisse warfen auch neue Fragen auf, die wiederum zu neuen Forschungsansätzen führten.

Im Laufe der Grabungskampagne 2006 wurde auf dem Werkplatz Lajoux JU ein zwei Meter breiter Schnitt durch die etwa zwei Meter hohe Schlackenhalde angelegt. Es sind dabei etwa 30 m³ Schlackenmaterial umgelagert und sortiert worden. Zwei grosse Schlackenkategorien lassen sich unterscheiden. Die Mehrheit – mehr als 70 % – besteht aus dunklen glasigen Schlacken, die auch ziemlich luftig sind. Die Minderheit – in etwa die verbleibenden 30 % – wird durch dichte, eisenhaltige Schlacken gebildet.

Vor Grabungsbeginn wiesen alle für das Bergbaurevier des zentralen Schweizer Juras verfügbaren Daten darauf hin, dass auf einem solchen Werkplatz mit zentralem "Ofenhügel" im umliegenden Schlackengürtel mindestens einer der Rennöfen in der Mitte dieses Hügels liegt. Der Fallbeispiel von Lajoux zeigt ein ganz anderes Bild : Der Rennofen lag am Rand einer aus dem Hang ragenden Plattform.

Die Holzartenbestimmung ergibt eine Dominanz von Buchenholz (über 74%), gefolgt von Weisstanne (15%), Fichte (6%) und Ahorn (4%). Die dendrochronologischen Datierungen der Holzkohle deuten darauf hin, dass dieser Werkplatz in der Zeit zwischen 1284 und 1419 während nahezu 150 Jahre benutzt wurde. Woher im Fall von Lajoux der Rohstoff Erz kommt, kann nur vermutet werden. Denn Im Bereich Lajoux gibt es beim heutigen Kenntnisstand keine abbauwürdigen Erzvorkommen. Aus diesem Grund muss davon ausgegangen werden, dass der Rohstoff Erz aus dem nicht allzu entfernten westlichen Ende des Delsbergerbeckens herbeigeführt wurde.

Mit nahezu 60 lokalisierten Verhüttungsplätzen in 16 km², einer Gesamtbenutzungsdauer von etwa 500 Jahren und einer mengenmässigen Konzentration – ungefähr zwei Drittel der Plätze – auf etwa 200 Jahre, vereinigt der Raum Lajoux in den östlichen Freibergen auf einzigartige Weise mehrere Voraussetzungen, um in der Erforschung der hoch- und spätmittelalterlichen Eisenerzverhüttung weiterhin neue Erkenntnisse zu liefern.

Eschenlohr, Ludwig : Das Eisengewerbe im Jura am Beispiel des spätmittelalterlichen Werkplatzes von Lajoux JU, Envers des Combes
Mittelalter – Moyen AgeMedioevoTemp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 16. Jahrgang 2011, Heft 2, 41 - 50.

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