Mittelalter 2010/1
Heft 2010/1    1. Artikel

Leuk, Bischofsschloss – Bauentwicklung im Lichte der jüngsten Untersuchungen

von Alessandra Antonini

Die bauarchäologische Erforschung des bischöflichen Schlosses hat sich über eine lange Zeitspanne erstreckt. 1986 wurde die talseitige Stützmauer der Turmmatte saniert, 1988/89 der Burghof untersucht und die Ringmauer gesichert, 2001 folgten Bodensondierungen in den Innenräumen, 2005/06 wurden die Fassaden restauriert und 2007 ein Fluchtausgang auf die Turmmatte geöffnet, der zur Entdeckung eines Annexbaus führte. Dieser Bericht verbindet die komplexe Baugeschichte des Bischofsschlosses mit dem historischen Kontext. Die Schwierigkeit bestand darin, die Bauphasen der einzelnen Baukörper (Turm, Palas, Treppentürme und Annexe) miteinander zu korrelieren, obwohl häufig keine eindeutige chronologische Einbindung der Bauphasen möglich war.

Die ältesten auf dem Burgareal beobachteten Befunde, zwei Erdbestattungen, gehören zum Gräberfeld der ins Frühmittelalter zurückreichenden Kapelle St. Peter. Der Bau des bischöflichen Sitzes dürfte im 12. Jh. mit der Errichtung des Turms begonnen haben. Die Residenz, ein zweigeschossiger, mit Zinnen bekrönter Saalbau, entstand vermutlich im 2. Viertel des 13. Jh. zusammen mit der Ringmauer, die den Turm mit einem zumindest teilweise überbauten Hof umgab: Zwischen Palas und Turm bestand ein mehrgeschossiger Verbindungstrakt und westlich des Turms ein Annexbau mit zentraler Feuerstelle.

Die Beschädigung der Anlage in den Jahren 1291/96 löste eine Erneuerungsphase aus, die zu einer dichteren Überbauung des Hofes führte. Um 1300 oder im frühen 14. Jh. wurde unter anderem der Palas vergrössert. Im neuen Bauteil entstand eine mächtige Kaminanlage, im alten Bauteil eine «romanische» Bifore, zwei Elemente die noch heute das Aussehen der Ost- und Südfassade prägen. Noch im 14. Jh. wurde die Dachkonstruktion über Palas und angrenzendem Annex durch einheitliche Treppengiebel ersetzt. Für diese Bauphase sind der Einzug von gemauerten Gewölben im Palas und Turm sowie die Verkleinerung der Fenster im Palas-Annex charakteristisch.

Im frühen 15. Jh. wurde das bischöfliche Schloss geplündert und in Brand gesetzt, wie die übrigen Burgen der Region. Die Hauptgebäude entgingen indes dem Abbruch und wurden um 1475 unter Bischof Walter II Supersaxo instand gesetzt. Feuerstellen, Öfen und eine neue hölzerne Ausstattung belegen einen Ausbau der Burg in der ersten Hälfte des 16. Jh. unter Bischof Adrian I. v. Riedmatten. Seit dem späteren 17. Jh. verlor das Schloss an Bedeutung. 1805 ging es in Privatbesitz über, 1934 kaufte es die Gemeinde. Seit 2005 ist eine durchgreifende Sanierung in Gange. Das Projekt der Stiftung Schloss Leuk trägt die Handschrift von Architekt Mario Botta.

Antonini, Alessandra : Leuk, Bischofsschloss – Bauentwicklung im Lichte der jüngsten Untersuchungen
Mittelalter – Moyen AgeMedioevoTemp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 15. Jahrgang 2010, Heft 1, 1 - 42.

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