Mittelalter 2008/4
Heft 2008/4    1. Artikel

Die Birseck bei Arlesheim BL - Bischofsresidenz, Erdbebenburg, Landvogteisitz

von Reto Marti

Der Teileinsturz der Ringmauer gab Anlass zu einer umfassenden Sicherung der Burgruine Birseck bei Arlesheim BL. Als Grundlage diente eine detaillierte Aufnahme des Baubestands durch die Archäologie Baselland. Diese Arbeiten - wie auch die anschliessenden Sanierungen - erfolgten unter grösstmöglicher Schonung der historischen Substanz. Eingriffe in den Boden oder das Mauerwerk wurden deshalb weitgehend vermieden.

Trotz dieser Einschränkung gelang es, wichtige Daten zu Baugeschichte der Anlage zu gewinnen: Der Grundriss der Burg mit Ringmauer und Rundturm geht auf den Gründungsbau unter Bischof Lüthold von Basel zurück. Er wurde Dendrodaten zufolge 1243/44 begonnen. Das Erdbeben von Basel 1356 zerstörte grosse Teile dieser Anlage. Einzig der Turm scheint die Katastrophe mehr oder weniger unbeschadet überstanden zu haben. Für den Wiederaufbau gibt es ein einzelnes Dendrodatum um oder kurz nach 1373: In jenem Jahr verpfändete der in Geldnöten steckende Bischof die Burg an die Herren von Ramstein mit der Auflage, sie wiederherzustellen. Diese investierten in den folgenden Jahren die beträchtliche Summe von 800 Gulden in einen Wiederaufbau, der sich archäologisch ziemlich genau bestimmen lässt. 1435 löste Johann von Fleckenstein das Pfand (die Burg) wieder aus. Sein Nachfolger Friedrich zu Rhein modernisierte sie weiter. Sie wurde zum Landvogteisitz; öfters residierten aber auch die Bischöfe selbst auf der Burg.
Die jüngere Baugeschichtewird besser durch zeitgenössische Ansichten der Birseck dokumentiert als durch die in dem Bereich nur eingeschränkt möglichen Bauuntersuchungen. 1679 zog das Basler Domkapitel nach Arlesheim, was der Birseck nochmals eine gewisse Aufwertung gebracht haben dürfte. 1762 jedoch weigerte sich Landvogt Franz Karl von Andlau, weiterhin auf dem baufälligen Schloss zu wohnen. In den Wirren der Revolution ging die bereits nicht mehr bewohnte Anlage schliesslich in Flammen auf und wurde danach als Steinbruch genutzt. Einige Jahre später erfolgte die Integration der Ruine in den Landschaftsgarten der Eremitage.

Marti, Reto : Die Birseck bei Arlesheim BL - Bischofsresidenz, Erdbebenburg, Landvogteisitz
Mittelalter – Moyen AgeMedioevoTemp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 13. Jahrgang 2008, Heft 4, 137 -158.

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