Mittelalter 2005/2
Heft 2005/2    1. Artikel

Mittelalterarchäologie im Kanton Zug

von Stefan Hochuli

Beat Fidel Zurlauben (1720–1799) beschäftigte sich als einer der ersten im Kanton Zug mit mittelalterlichen Altertümern. Bis weit ins 20. Jahrhundert lag die Erforschung der Zuger Boden- und Baudenkmäler in den Händen von Privatpersonen. Im Verlauf der 1980er-Jahre wurde die Archäologie im Kanton Zug institutionalisiert.

Im vorliegenden Heft soll eine Reihe von Kurzbeiträgen einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand der Zuger Mittelalterarchäologie anhand ausgewählter Beispiele bieten.

Zurzeit sind im Kanton Zug acht Fundorte mit frühmittelalterlichen Gräbern bekannt. Abgesehen von wenigen beigabenlosen Bestattungen in Baar, die vielleicht ins 5. oder frühe 6. Jahrhundert zu datieren sind, stammen die Grabfunde aus dem späten 6. und 7. Jahrhundert. In Grab 150 von Baar-Früebergstrasse war ein Säugling bestattet, eine für das Frühmittelalter grosse Ausnahme. Ausgrabungen in Kirchen haben gezeigt, dass die Gründung der Pfarrkirchen St. Martin in Baar und St. Verena in Risch wohl auf die erste Hälfte des 8. Jahrhunderts zurückgeht. Während der Neuzeit wurde der mittelalterliche Standort einiger Kirchen (Cham, Zug, Oberägeri) aufgegeben, womit die Überreste in den Friedhof zu liegen kamen.

Die Burg Zug wurde eingehend archäologisch untersucht. Eine burgenkundlich wichtige Erkenntnis ist der Nachweis einer Mantelmauer des 12. Jahrhunderts, d. h. einer hohen Ringmauer, an deren Innenseite Gebäude angelehnt waren und innerhalb deren zunächst kein Turm stand. In der Nähe der beiden alten Siedlungskerne, der Pfarrkirche St. Michael und der Burg Zug, wurde vermutlich im frühen 13. Jahrhundert die Stadt Zug gegründet. In der Umgebung der Kleinstadt bestanden mehrere suburbane Siedlungen. Erst 1478 wurde die Stadt um ein Vielfaches erweitert, und zwar nach einem radiokonzentrischen Stadtplan im Geiste der italienischen Renaissance.

Die bei archäologischen und bauhistorischen Untersuchungen in der Stadt Zug geborgenen Ofenkacheln, Halbfabrikate und Hafnereiabfälle legen nicht nur die Existenz qualitätvoller spätgotischer Kachelöfen in Zug nahe, sie beweisen auch die Produktion derselben am Orte selbst. In der Altstadt von Zug gelang in den letzten Jahren wiederholt die Entdeckung von Wandmalereien in Profanbauten. Zu den jüngsten freigelegten Malereien gehören gut erhaltene Reisläuferdarstellungen in der Unteraltstadt, die um 1530 datiert werden.

Während der vergangenen Jahre wurde durch die Mittelalterarchäologie und die Bauernhausforschung eine Reihe spätmittelalterlicher, ländlicher Holzbauten im Kanton Zug untersucht. Der Halthof bei Menzingen war ein solcher Einzelhof, der kurz nach 1504 in der für die voralpine Region typischen Blockbautechnik erbaut wurde. Das Gebäude wurde aber später abgebaut und frühestens im 18. Jahrhundert wiedererrichtet. Von den auf dem Land seltenen traufbetonten Ständerbauten besteht auf dem Gebiet des Kantons Zug in den Gemeinden Cham und Hünenberg ein kleiner Restbestand , deren ältester Vertreter 1464 erbaut wurde.

Im Oberwilerwald bei Cham wurde 2004 ein Münzschatz des mittleren 13. Jahrhunderts gefunden. Er enthält 45 Pfennige der bischöflichen Münzstätte Konstanz, der Abteien Lindau und St. Gallen, der königlichen Münzstätte Ravensburg und der Grafschaft Sigmaringen-Helfenstein. Damit stellt der Fund einen aussergewöhnlichen Nachweis von «Bodensee-Pfennigen» im Gebiet des Zürcher Münzkreises dar.

Hochuli, Stefan : Mittelalterarchäologie im Kanton Zug
Mittelalter – Moyen AgeMedioevoTemp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 10. Jahrgang 2005, Heft 2, .

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